Der Mythos Lifestyle-Inflation – Wie ich die wichtigsten Sparjahre verpasst habe

Mit 25 Jahren habe ich mein Studium abgeschlossen und startete in den ersten Vollzeitjob. Das erste Gehalt in Entgeltgruppe 12 des IG Metall Tarifvertrages Nordrhein-Westfalen betrug rund 3.400 Euro. Ein kräftiger Schluck aus der Pulle – vor allem im Vergleich zum Werkstudenten-Gehalt zuvor. Lifestyle-Inflation

Mit dem ersten „echten“ Gehalt kamen auch die ersten großen Träume. Ein längerer Urlaub, neue Möbel, eine neues Auto und eine größere Wohnung sowieso. Auch unser erstes Kind sollte nicht lange auf ich warten lassen.

Über 22 Jahre haben meine Frau und ich bei unseren Eltern und (mal mehr und mal weniger) nach deren Regeln gelebt. Die erste gemeinsame Wohnung und konnten wir teilweise durch Nebenjobs finanzieren. Zusätzlich haben wir auch weiterhin finanzielle Unterstützung durch unsere Eltern erhalten. Die Wohnungseinrichtung bestand größtenteils aus Möbeln unserer Kinderzimmer. Zum Essen gab es oft einfache Gerichte wie Nudeln oder Pizza. Zur Uni und zum Job ging es per Straßenbahn durchs gesamte Duisburger Stadtgebiet. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel würde mancher sagen. Für uns war es trotzdem eine sehr schöne Zeit.

Mit dem ersten Gehalt eröffneten sich viele Möglichkeiten. Und das gleichzeitig. Nun hatten wir erstmals die freie Wahl über finanzielle Entscheidungen. Wir konnten uns „etwas leisten“ und uns „belohnen“. Das Geld auf dem Konto schrie förmlich: „Hier bin ich, gebt mich aus!“ Lifestyle-Inflation

Sparen und Investieren führt zu finanziellem Wohlstand

Könnte ich zehn Jahre in die Vergangenheit reisen, dann würde ich manch finanzielle Entscheidung anders treffen. Damals hatte ich noch keinen Plan vom Sparen. Und schon gar nicht vom Investieren.

Heute weiß ich, dass Geld ein Energiespeicher ist. Diese Energie kann gespart und gespeichert werden. Und dabei entsteht mehr Energie. Je nach Form der Speicherung sogar sehr viel mehr.

Falls du dich jetzt gerade in der Lebenssituation befindest wie ich vor zehn Jahren, möchte ich dir folgenden Rat mitgeben:

Frühes Sparen und Investieren trägt wesentlich
zum Aufbau deines finanziellen Vermögens bei.

Diesen Satz findest du so oder ähnlich häufig auf meinem Blog und auch auf vielen anderen Finanzblogs. Tim Schäfer betet ihn nahezu täglich herunter. Und warum? Weil es stimmt.

Frühes Sparen und Investieren trägt wesentlich
zum Aufbau deines finanziellen Vermögens bei.

Zur Veranschaulichung dieser Aussage möchte ich dir ein kleines Rechenbeispiel geben. Person A – sagen wir mal Adelgunde – beginnt im Alter von 20 Jahren zu sparen. Und zwar genau 5.000 Euro pro Jahr für zehn Jahre. Danach spart Adelgunde gar nix mehr, sondern lässt nur das Geld für sich arbeiten. Person B – sagen wir mal Baldemar – beginnt erst später im Alter von 35 Jahren mit dem Sparen. Auch Baldemar spart und investiert jährlich 5.000 Euro – und zwar sogar für 25 und nicht nur zehn Jahre.

Als jährliche Rendite nehmen wir 5 Prozent an. Gebühren, Steuern und Inflation vernachlässigen wir hier beziehungsweise haben sie in der jährlichen Nettorendite berücksichtigt.

Lifestyle-Inflation

Im Alter von Jahren kommt Adelgunde auf ein Vermögen von 464.00 Euro, Baldemar nur auf 408.000 Euro. Und das obwohl er 75.000 Euro mehr gespart und investiert hat. Das ist die Macht des Zinseszinses!

Frühes Sparen und Investieren trägt wesentlich
zum Aufbau deines finanziellen Vermögens bei.

Auch aus diesem Grund möchte ich meinen Kindern so früh wie möglich etwas über Finanzwissen beibringen.

Alles tutti nur bei Mutti?

Halten wir fest: Wenn ich und meine Frau weiterhin wie Studenten unterm Dach unseren Eltern wohnen würden (und keine Kinder hätten) wären wir finanziell frei. Miete? Zahlen Mama und Papa. Essen? All inklusive – Der Kühlschrank ist immer voll. Wäschereinigung? Kostenlos.

Alles tutti nur bei Mutti, oder?! Lifestyle-Inflation

Natürlich nicht! Unser Leben verändert sich über die Jahre. Wir entwickeln uns über die Jahre. Die Ansprüche steigen, die Wünsche nehmen zu. Und das ist auch okay!

Ich bin im Herzen kein Frugalist und möchte auch nicht so leben.

Statt täglich Nudeln essen wir auch gerne ein gutes Stück Fleisch oder Fisch. Gönnen uns einen tollen Urlaub und leisten uns auch den Luxus von zwei Autos. Dafür wohnen wir etwas günstiger im Speckgürtel des Ruhrgebietes.

Wozu dient die Anhäufung von Geld, wenn es letztendlich nicht zu einer Veränderung des Lebens führt? Und zwar nicht in zwanzig Jahren, sondern heute!

Ich möchte mein Leben leben. Fortschritt, Wachstum und Komfort erfordern Geld. Persönliches Wachstum resultiert auch neuen Abenteuern, der Erweiterung des kulturellen Horizonts durch Ausflüge und Urlaube, sowie ab und zu dem Genießen von Abenden mit Freunden in Restaurants.

In anderen Worten: Lifestyle-Inflation ist normal. Dadurch steigen auch die Ausgaben.

Sparen für die Lifestyle-Inflation

Unser Leben durchläuft im Regelfall verschiedene Stadien. Geburt, Kleinkindalter, Schule, Ausbildung/Studium, erster Job, Heirat, gegebenfalls Hauskauf, Kinder. Danach Midlife-Crisis, Scheidung, zweite Heirat, Auswanderung nach Thailand.

Aber im Ernst: Jede neue Lebensphase erfordert mehr finanzielle Mittel. Spätestens mit eigenen Kindern steigen die eigenen Ausgaben. Selbst wer vorher ein paar Jahre sparen konnte, hat es nun aufgrund von Erziehungszeiten und zusätzlichen Ausgaben schwerer.

Lifestyle-Inflation ist also real.

Aber wegen der Lifestyle-Inflation ist das frühe Sparen so wichtig.

Frühes Sparen und Investieren trägt wesentlich
zum Aufbau deines finanziellen Vermögens bei.

Sparen Vorbeugung gegen die Lifestyle-Inflation. Klingt etwas absurd oder? Keineswegs. Denn die Lifestyle-Inflation, die ich oben beschrieben habe, resultiert aus den verschiedenen Lebensphasen. Vor allem durch die Gründung einer Familie. Der Trick ist wohl die Eingrenzung der Lifestyle-Inflation innerhalb dieser Lebensphasen. Entscheidend ist hier vor allem die Phase nach dem Studium bis zur Familiengründung.

Frühes Sparen und Investieren trägt wesentlich
zum Aufbau deines finanziellen Vermögens bei.

Ich selbst habe diese Phase größtenteils verpasst. Allerdings haben wir für Akademiker auch recht früh Kinder bekommen. Genauer gesagt im Alter im Alter von 27 Jahren. In Deutschland liegt das Alter von erstgebärenden Akademikerinnen bei 32 Jahren. Mehr als die Hälfte der Ü35-jährigen Akademikerinnen ist sogar noch kinderlos.

Durch die relativ frühe Familiengründung konnten wir die DINK-Phase nicht ausschöpfen. DINKs (Double Income, No Kids) haben die besten Möglichkeiten, um möglichst viel Geld zu sparen.

Fazit: Lifestyle-Inflation nicht verteufeln, aber verstehen

Unser Leben besteht aus mehreren Phasen. Mit jeder neuen Phase steigen die Wünsche und Bedürfnisse. Und damit zwangsweise auch die finanziellen Ausgaben.

Ich selbst habe die wichtige Phase zwischen erstem Job und Familiengründung nicht genutzt, um durch vergleichsweise hohe Sparquoten viel Geld anzusparen. Es bringt aber auch nichts, dem hinterher zu trauern. Wir haben früh Kinder bekommen. Vielleicht haben wir dafür in unseren 40ern mehr Sparpotential, da unsere Kinder dann älter sind als bei manch anderen Akademikern.

Ich mache mich aber auch nicht verrückt. Ich habe seit einigen Jahren die Möglichkeiten der langfristig renditestarken Geldanlage erkannt. Derzeit sparen wir 15-20 Prozent unseres Einkommens. Den Großteil davon investieren wir langfristig am Aktienmarkt.

Werden wir damit reich werden? Vermögend mit Sicherheit. Reichtum aber hat für mich keine finanzielle Dimension, sondern eine viel größere Bedeutung. Aber das ist wohl ein Thema für den nächsten Beitrag 🙂

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2 Gedanken zu „Der Mythos Lifestyle-Inflation – Wie ich die wichtigsten Sparjahre verpasst habe“

  1. Hallo Felix!

    In deiner Tabelle passen die jährlichen Sparsummen nicht. 5 Jahre a 5k ergibt 25k…;-) Adelheit spart demnach nicht 10k über die ersten 10 Jahre, sondern 50k (Sparleistung eher unrealistisch) und Waldemar spart nicht 25k sondern 125k (in seinem Alter schon realistischer).
    Zudem kommt Zinsen-berechnen auch auf andere Werte, welche aber nicht gravierend von deinen Berechnungen abweichen.
    Grundsätzlich wird dein Ansatz, besser früh zu sparen und lange liegen zu lassen, schön deutlich.

    Grüße

    Ty

    1. Hallo Ty,
      Danke für den Hinweis! Du hast natürlich Recht. War schon ganz schön spät bei mir gestern 🙂
      Sinnvoll wäre natürlich auch eine Gegenüberstellung der jeweiligen Sparraten. Wie du sagst, könnte es Baldemar leichter haben, da er schon deutlich mehr verdient. Könnte man auch nochmal beleuchten. Gastartikel sind gerne gesehen 😉

      VG
      Feli

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