Drei Möglichkeiten um ein ETF Portfolio aufzubauen

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Für den langfristigen Vermögensaufbau bieten Exchange Traded Funds (ETFs) viele Vorteile. Zudem lassen sich ETFs mit aktiven Investmentfonds, einzelnen Aktien und anderen Anlageklassen wie Rohstoffen oder Immobilien kombinieren. Genauso ist es aber auch möglich, ein komplettes Portfolio nur aus ETFs zusammenzustellen. In diesem Beitrag gehe ich auf mögliche Vorteile und Kompromisse eines reinen ETF-Portfolios ein. ETF Portfolio

Wie können Anleger feststellen, ob ein reines ETF-Portfolio für ihre persönliche Anlagestrategie sinnvoll ist? Vor allem kommt es darauf an, was ihre Ziele und Vorlieben sind. In der Regel bieten ETFs eine hervorragende Diversifikation bei einer niedrigen laufenden Kostenquote (TER). Das liegt daran, da es sich um passive Fonds handelt, die einen bestimmten Referenzindex nachbilden. Aus diesem Grund bieten sie viel Transparenz. Es ist leicht zu erkennen, welche Aktien, Anleihen oder anderen Anlagen im Index und somit auch im entsprechenden ETF enthalten sind. Für Anleger, die diese Eigenschaften bei Anlageprodukten bevorzugen, sind ETFs eine einfache und flexible Lösung für deinen Vermögensaufbau.

Allerdings gibt es auch einige Kompromisse, die es zu beachten gilt. Zum einen gibt man als Anleger mit einem reinen ETF-Portfolio die Kontrolle über die genaue Depotzusammensetzung ab. Hier entscheiden die Indexanbieter – gemäß den vorher definierten Leitplanken – welche Einzelaktien (als Basiswerte der ETFs) ins Portfolio einfließen. Zudem bedeutet die Nachbildung globaler Indizes einen Verzicht auf eine mögliche Markt-Outperformance. Okay, wir wissen wie unwahrscheinlich das ist. Selbst 9 von 10 aktiven Fonds performen über einen Zeitraum von 15 Jahren schlechter als ihr Vergleichsindex. Und das sind Profis am Werk. Aber immerhin müssen wir zugeben, dass es theoretisch möglich wäre, den Markt zu schlagen. Wenn auch sehr unwahrscheinlich. 🙂

Vor- und Nachteile von vier Arten von Portfolios im Verhältnis zueinander

Für Anleger, die von den langfristigen Renditen am Aktienmarkt profitieren, aber sich nicht um ihre Geldanlage kümmern möchten, sind Ein-ETF-Portfolios eine sehr gute Wahl. Für einen defensiveren Ansatz gibt es Produkte mit einem entsprechenden Anleihen-Anteil. Haben Investoren einen langen Anlagehorizont, Geduld und gute Nerven, dann können sie auch auf reine Aktien-ETFs zurückgreifen. ETF Portfolio

Für einen aktiven Ansatz mit ETFs eignen sich ETF-Mix-Portfolios. Dadurch können die Vorteile von ETFs (geringe Kosten, Transparenz, Diversifikation) mit individuellen Anlagewünschen kombiniert werden. Tendieren Anleger beispielweise zu einer regionalen Allokation gemäß Bruttoinlandsprodukt (und nicht nach Marktkapitalisierung), so können damit verschiedene Regionen-ETFs gewichtet und parallel bespart werden.

Bei reinen ETF-Portfolios gibt es grundsätzlich drei verschiedenen Stufen der Granularität.

1. “Keep it simple”-Portfolio

Diese Variante liegt sehr nah am Ein-ETF-Portfolio. Allerdings werden hier die Anlagekategorien Aktien und Anliehen in jeweils einen ETF gepackt. Somit besteht das „Keep it simple“-Portfolio aus zwei Produkten:

  • Globaler Aktien-ETF, z.B. iShares MSCI ACWI UCITS ETF USD Acc (ISIN: IE00B6R52259), TER: 0,2%
  • Globaler Anleihen-ETF, z.B. Vanguard Global Aggregate Bond UCITS ETF EUR Hedged Acc (ISIN: IE00BG47KB92), TER: 0,1%

Bei dieser Strategie liegt das einzige aktive Steuerungskriterium auf der individuellen Risikobereitschaft. So können beispielsweise Anleger mit einer moderaten Risikobereitschaft 60 Prozent ihres Portfolios in einen globalen Aktien-ETF und 40 Prozent in einen globalen Anleihen-ETF investieren. ETF Portfolio

Wichtig ist hierbei, dass etwa ein MSCI World kein globaler Aktienindex ist. Als Referenzindizes bieten sich hier nur der MSCI All-Country World (ACWI) oder der FTSE All-World an. Beide beinhalten internationale Aktien aus Industrie- und Schwellenländern. Letztere sind im MSCI World nicht enthalten.

Schwieriger wird es dann schon der Auswahl eines geeigneten Anleihen-ETFs. Eine mögliche Wahl wäre der Vanguard Global Aggregate Bond UCITS ETF EUR Hedged Accumulating (ISIN. IE00BG47KH54). Das Produkt ist allerdings noch recht jung (Auflage im Juni 2019) und schwach kapitalisiert. Es repliziert einen Index aus über 20.000 Investment Grade-Anleihen, die von Regierungen, Unternehmen und Behörden aus Industrie- und Schwellenländern begeben werden. Zudem minimiert der ETF mittels Währungsabsicherung Risiken durch Wechselkursschwankungen.

Ein Vorteil dieser Portfolio-Variante besteht in seiner Einfachheit und den niedrigen laufenden Kosten. Auch die Transaktionskosten für ein jährlich Rebalancing sind überschaubar.

Ein Nachteil dieses Portfolios ist die fehlende Feinsteuerung. So beinhaltet der MSCI ACWI zum 31. Mai 2021 etwa 66 % US-Aktien. Das ist, gemessen an den Bruttoinlandsprodukten, eine deutliche Übergewichtung. Ein weiterer (potentieller) Nachteil ist der Verzicht auf weitere Anlageklassen, wie Rohstoffe oder Immobilien.

Fazit: Das „Keep it simple“-Portfolio eignet sich für Anleger die Einfachheit suchen und mit einem Anleiheanteil den maximalen Drawdown (Kursverlust) reduzieren möchten. Einen echten Mehrwert gegenüber den genannten All-in-One-ETFs gibt es allerdings nicht. Außer, dass diese noch nicht so lange am Markt sind und bisher nur niedrige Kapitalisierungen aufweisen.

2. “Der goldene Mittelweg”-Portfolio

Manche Anleger möchten aktiver diversifizieren. Für sie wäre ein ETF-Portfolio aus etwa zehn ETFs eine mögliche Alternative. Hier spielen persönliche Vorlieben für regionale Allokationen, Branchen-Übergewichtungen oder besondere Anlagestrategien die entscheidende Rolle. Das Depot könnte folgende Produkte enthalten:

  • US Mid-Cap ETF, z.B. SPDR S&P 400 US Mid Cap UCITS ETF (ISIN IE00B4YBJ215), TER: 0,30%
  • US Small-Cap ETF, z.B. SPDR Russell 2000 US Small Cap UCITS ETF (ISIN IE00BJ38QD84), TER: 0,30%
  • Europa-ETF, z.B. iShares Core MSCI Europe UCITS ETF EUR Dist (ISIN IE00B1YZSC51), TER: 0,12%
  • Emerging-Markets ETF, z.B. iShares Core MSCI Emerging Markets IMI UCITS ETF Acc (ISIN IE00BKM4GZ66), TER: 0,18%
  • Globaler Anleihen-ETF, z.B. Vanguard Global Aggregate Bond UCITS ETF EUR Hedged Acc (ISIN: IE00BG47KB92), TER: 0,1%
  • US Staatsanleihen ETF, z.B. iShares USD Treasury Bond 1-3yr UCITS ETF Dist (ISIN IE00B14X4S71), TER: 0,07%
  • Staatsanleihen Emerging Markets, iShares J.P. Morgan USD Emerging Markets Bond UCITS ETF Dist (ISIN IE00B2NPKV68), TER: 0,45%
  • ESG Unternehmensanleihen, z.B. SPDR Bloomberg SASB U.S. Corporate ESG UCITS ETF (ISIN IE00BLF7VX27), TER: 0,15%

Der Vorteil dieses Portfolios besteht in der Individualisierung bei gleichzeitig moderatem Aufwand.
Fazit: Das „Goldene Mittelweg“-Portfolio beinhaltet genügend ETFs, um die verschiedenen Vorlieben des Anlegers abzudecken. Gleichzeitig lässt es sich mit regelmäßigem Aufwand noch gut kontrollieren. Die laufenden Kosten sind etwas höher, aber immer noch moderat.

3. „Fine Tuning“-Portfolio

Und wem das noch nicht genug ist, der kann sein Depot natürlich noch kleinteiliger aufbauen. Mit mehr als zehn ETFs lassen sich verschiedenste Anlageklassen, Marktbereiche und Themen abbilden. Setzen Anleger beispielsweise auf „Megatrends“ wie Biotechnologie, Gaming oder Gesundheit, lassen sich mit branchenspezifischen ETFs die jeweiligen Anteile im Gesamtdepot erhöhen. Auch Anlagestrategien wie Value, Growth oder Momentum, sowie regionale Übergewichtungen lassen sich damit einbauen.

Der Vorteil dieses Portfolios besteht darin, dass Anleger genau das gewünschte Engagement in jedem Marktsegment eingehen können und gleichzeitig die Diversifikation genießen, die ETFs gegenüber einzelnen Aktien und Anleihen bieten. Die Nachteile sind allerdings eine steigende Komplexität und zusätzliche Handelskosten. Bei so vielen ETFs im Portfolio ist es schwieriger, jederzeit den Überblick zu behalten.

Fazit: Das „Fine Tuning“ Portfolio eignet sich nur für Anleger, die regelmäßig Zeit für die Umsetzung und Kontrolle ihrer Investitionen aufbringen möchten. Aus theoretischer Sicht ist es nicht erforderlich, so kleinteilig zu agieren. Wenn es wirklich um die Produkte und die Diversifikation geht (und nicht um das eigene Ego), können Privatanleger besser auf vorgefertigte Portfolios oder All-In-One ETFs zurückgreifen.

Gesamtfazit

Mit ETFs können Anleger ein breites und gut diversifiziertes Depot nach ihren Vorstellungen aufbauen. Ob das in Zukunft auch eine Outperformance oder anderweitige Vorteile bringen wird, ist fraglich. Ich setze aus Kostengründen und der Einfachheit halber auf einen FTSE All-World ETF. Das ist alles drin, was ich brauche.

Disclaimer I Risikohinweis und Haftungsausschluss: Der Autor ist an manchen der genannten Unternehmen und/oder Anlageprodukte beteiligt (Transparenzhinweis). Alle veröffentlichen Informationen und Zahlen, Einschätzungen und Bilder sind nach besten Wissen und Gewissen erstellt worden. Aufgrund dessen übernehmen wir keine Gewähr, Garantie, Haftung oder Zusicherung für die Richtigkeit. Alle Beiträge stellen weder eine Anlageberatung, noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren, Optio-nen oder anderen Finanzinstrumenten dar. Das Investieren in Wertpapiere oder anderen Finanzinstrumenten ist grundsätzlich mit Risiken behaftet und kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen.

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