Drei Spartipps, die Du besser vermeiden solltest

Pinterest, Etsy und nicht zuletzt eine Reihe von Do-It-Yourself-Blogs – der Trend geht zum Selbermachen. Egal ob veganer Brotaufstrich, der Ölwechsel beim Auto oder Ghassoul-Lavaerde-Shampoo. Spartipps

Keine Frage, selbstgemachte Dinge sind oft gesünder und nachhaltiger. Manchmal können handwerkliche Tätigkeiten auch Spaß machen und einem das Gefühl geben „etwas geschafft“ zu haben.

Rein ökonomisch betrachtet ist es – sorry liebe Frugalisten – häufig Unsinn.

Zeit ist Geld – und umgekehrt

Vielleicht gehörst du auch zu den Sparfüchsen, die jede finanzielle Ausgabe dreifach hinterfragen. So empfehlen es ja viele Spar- und Finanzblogs. Auch im Finanzblogroll.

Zehn-Sekunden-Regel, Dreißig-Tage-Regel und so weiter. Spartipps

Damit ermutigen uns viele Finanzblogger und -berater dazu, unsere kostbare Zeit zu verschwenden. Und das nur um ein paar Euro zu sparen.

Natürlich sollten wir kein Geld verschwenden. Allerdings gibt es ein noch viel wichtigeres Gut als Geld. Vielmehr sollten wir gewissenhaft darüber nachdenken, wie wir unsere Zeit ausgeben. Denn diese ist unersetzlich.

Viele Leute klammern sich an Geld. So als gäbe es keine Möglichkeit, mehr davon zu bekommen. Dabei verschwenden sie ihre Zeit. Und davon gibt es keinen Nachschlag.

Daher habe ich hier drei Spartipps, die du unbedingt vermeiden solltest. Spartipps

Zeitverschwendung Nr. 1: Gutscheine

Payback, Kundenkarten, Werbepost – Gutscheine lauern an jeder Ecke. Das „Extreme Couponing“ ist auch in Deutschland zum Volkssport geworden. Dabei führen Gutscheine oft dazu Dinge zu kaufen, die wir gar nicht benötigen.

Vielmehr erfordert das Sammeln, Ausschneiden, Drucken, Aufbewahren der Gutscheine jede Menge Energie und Zeit.

Wer kennt nicht den sparsamen Familienpapa der an der Kasse im Drogeriemarkt eifrig das Portemonnaie nach dem 5% Gutschein für Babywindeln durchsucht. Der arme Kerl.

Ist dir das deine Zeit wert?

Alternative: Kaufe nur Dinge, die du benötigst. Nicht Dinge aus der Werbung oder aus Gutscheinen. Es sind meist nicht die billigen Produktvarianten, die dort beworben werden.

Ich kaufe Küchenschwämme, Spülmittel, Waschmittel und Shampoo immer von den günstigen Marken. Egal ob bei Aldi, Penny oder Rewe. Jeder Markt hat No-Name-Produkte im Sortiment.

Alternativ kannst du Haushaltsprodukte auch gut online kaufen. Das spart dir sogar noch die Fahrt zum Einzelhandel. Keine Parkplatzsuche, keine Spritkosten, viel Zeit gespart. Und wie einige Studien zeigen, ist es sogar die ökologischere Variante. Spartipps

Zeitverschwendung # 2: Konten-Hopping

Das Geldkonten-Hopping ist auch so eine typische Sparfuchs-Zeit-Falle. Viele Menschen verbringen Tage und Wochen damit, das Tagesgeldkonto zu finden, welches 0,05 Prozent höhere Zinsen bietet als das aktuelle. Oft sind diese Konditionen sogar zeitlich begrenzt.

Der Aufwand dafür? Vergleichsrechner anschmeißen, Konto eröffnen, Verifizierung durchführen, Unterlagen abheften.

Und das Ganze für 0,05 Prozent mehr Zinsen? Da muss man schon Elon Musk heißen, damit der Stundenlohn nicht homöopathisch ausfällt. Spartipps

Alternative: Ignoriere die ständig wechselnden Zins-Angebote. Angenommen du hast 10.000 Euro als eiserne Reserve auf dem Tagesgeldkonto. Selbst ein halbes Prozent mehr Zinsen auf einem neuen Konto (was schon recht viel wäre) würde dir gerade mal 50 Euro mehr im Jahr einbringen.

Für den Wechsel brauchst du etwa zwei Stunden für die Kontoeröffnung und Verifizierung. Hinzu kommt monatlich noch jeweils eine weitere Stunde für die Suche nach weiteren Alternativen. Man will ja weiter sparen.

Macht 14 Stunden Aufwand im Jahr und somit einen Stundenlohn von knapp vier Euro.

Ist dir das deine Zeit wert?

Hinzu kommt ja auch noch eine gewisse Unsicherheit. Wie seriös ist die neue Bank aus Finnland, Lettland oder Polen?

Suche dir lieber eine Bank mit ordentlichen Konditionen, der du vertraust. Und bleib dabei.

Die gewonnene Zeit kannst du besser für eine nebenberufliche Tätigkeit nutzen. Oder einfach die Zeit mit deinen Freunden und deiner Familie genießen.

Zeitverschwendung Nr. 3: Do-IT-Yourself-Projekte (einige, aber nicht alle)

Bitte verstehe mich nicht falsch. Manchmal lohnt es sich, Elektrogeräte selbst zu reparieren oder den Radwechsel selbst durchzuführen. Aber bestimmte Do-It-Yourself-Jobs sind unsere Zeit einfach nicht wert.

Möchtest du dein ganzes Wochenende damit verbringen, die neuen Küchenfliesen zu verlegen oder die Wasserpumpe zu reparieren? Vor allem, wenn du zu viele DIY-Projekte selbst in Angriff nimmst, könntest du deine Zeit verschwenden.

Vielmehr solltest du überlegen, wie du deine Zeit möglichst sinnvoll nutzen kannst.

Alternative: Eine Aufgabe, die schnell ist und wiederholt erledigt werden muss, ist es wert, gelernt zu werden. Eine komplexe oder einmalige Aufgabe – wie beispielweise die Reparatur der Waschmaschine – ist meine Lernzeit nicht wert, da ich sie nie wieder ausführen muss. Spartipps

Es gibt natürlich Ausnahmen. Einige einmalige Aufgaben sind extrem teuer, daher lohnt es sich, sie zu lernen. Und einige sich wiederholende Aufgaben sind so billig, dass es sich lohnt, sie auszulagern.

Um das Motoröl im Auto zu wechseln musst du das Öl kaufen gehen, das Auto anheben, das Öl ablassen, den Filter austauschen, das neue Öl einfüllen, sich waschen und so weiter. Und dabei ist die Verarztung des gequetschten Zeigefingers noch gar nicht einkalkuliert.

Gesamtaufwand für den Ölwechsel: Zwei Stunden. Plus Entsorgung des Altöls.

Ist dir das deine Zeit wert?

Felix

6 Gedanken zu „Drei Spartipps, die Du besser vermeiden solltest“

  1. Hallo Felix,

    du hast ja sooo recht. Ich selbst beschränke mich auf solche Sparmöglichken, die automatisch nebenbei funktionieren. Payback nutze ich zwar, aber suche keine Gutscheine für Extra-Punkte oder so. Und beim Online-Einkauf bedeutet Nutzung eines Cashback-Portals nur ein-zwei Klicks mehr. Den “10% auf alles”-Gutschein von Rossmann habe ich immer griffbereit in der Geldbörse. Das war’s auch schon. Alles andere ist mir zu kompliziert.

    Selbst Gratis-Testen-Angebote sind mir zu zeitintensiv. Ich hatte das aus Spaß mal getestet und öffentlich ausgewertet, welcher “Stundenlohn” dabei herauskommt, wenn man den Zusatznutzen mit der Zeit verrechnet. Das war erbärmlich. Ich glaube, für die echten Fans von so etwas und auch vom Extreme Couponing spielt die Zeit dabei keine Rolle, denn da geht es um Jagdfreude.

    Viele Grüße
    Petra

  2. Pingback: Das wurde woanders geschrieben – Woche 4/2021 › Fuseboroto.info

  3. Sehe ich für 1 nicht so. Mitarbeiterangebote, Cashback, Payback, Deutschlandcard, Rabattprogramme einzelner Shops, Preissuchmaschinen und Coupons führen bei mir jährlich zu 3 stelligen Ersparnissen von mehreren hundert Euro, bei 4 köpfigen Familien ist sicher auch 4 stellig drin. Mitarbeiterangebote, Preissuchmaschinen oder Cashback wie z.b Shoop generieren geschätzt 1 Minute Auwand je Kauf aber meist mehrere Euro Ersparnis, tlw. auch 2 stellig. Natürlich bekommt man das auch auf alle No Name Artikel und Eigenmarken und natürlich kauft deshalb nicht jeder automatisch mehr.
    Das “normale” Payback oder Deutschlandcard lohnt alleine nicht. Mehrfachpunkte Coupons sind aber in der Warteschlange auch in unter 1 Minute in den entsprechenden Apps angeklickt. Ich habe schon lange keine Zettel mehr und schneide nichts aus.
    Bei Payback genügt jedoch nicht die App alleine, sondern die Hilfe von fleissigen Foristen z.b. bei Mydealz ist entscheidend. Diese listen 1x monatlich alle Coupons (10fach oder 15fach) auf. Diese sind dann an der Kasse schnell digital gezogen.
    Wenn dann auf dem Kassenbeleg mehrere Euro Ersparnis bei einem 15fach Coupon (7,5%) aufgelistet werden, kommt Freude auf. Wirklich lohnenswert in weit grösserem Ausmaß muss Payback bei Urlaubern sein, da man Payback zu sehr günstigen Konditionen (glaube mit 25% Bonus) in Flugmeilen umwandeln kann, das Forum Vielfliegertreff ist hier meines Wissens eine sehr gute Anlaufstelle. Da ich privat nicht fliege, bin ich hier nicht so bewandert. Für die Beantragung der American Express Payback innerhalb von 15 Minuten habe ich 40 Euro bekommen und bekomme Punkte für jede Zahlung auf alles (auch bei Lidl, Aldi usw.) ausser Tankstellen. Die Nutzung erfolgt komplett kostenlos, solange man nur inländisch bezahlt und kein Geld abhebt. Die Begleichung erfolgt erst am Ende des Monats, man bekommt also quasi einen zinslosen Kredit.
    Neuerdings gibt es auch verstärkt Coupons, z.b. bei Rewe oder Lidl, die sind auch innerhalb von 1 Minute in der Warteschlange durchgescrollt und man hat öfter 1 Euro Ersparnis.
    Natürlich wird man dadurch nicht reich bzw. rettet das nicht von Armut und ein bisschen Jagdtrieb hilft ungemein. Auch sollte man dadurch nicht zum zusätzlichen Kauf und zum Kauf von teureren Produkten verleitet werden.
    Es wird letzten Endes immer eine subjektive Betrachtung bleiben. Für die eine beruflich erfolgreiche Person mit einem Stundenlohn von 50 oder gar 100 Euro aufwärts sind z.b. 7,5% bei 15fach Punkte = 7,50 EUR auf den 100 Euro grossen wöchentlichen Familieneinkauf vielleicht ein Kleckerbetrag, für einen Normalverdiener und erst Recht für einen Geringverdiener jedoch auf Jahressicht viel Geld, wenn er dann an der Kasse nur mal kurz die Payback Karte und ggf. den (E-)Coupon zücken muss.
    Vielleicht ticke ich da auch anders, von anderen Bloggern wird mittlerweile dargelegt, warum es langfristig keinen Unterschied macht, ob die Sparplanausführung eines ETFs unabhängig vom Kurswert kostenlos ist bzw. max. 1,50 Euro kostet oder 1,75% des Kurswerts.
    Es kommt eben darauf an, ob es sich für die Person noch lohnt, für nur mehrere Cents oder gar mehrere Euro zu “bücken”, oder ob man dieser Gruppe schon entwachsen ist.
    Zeitverschwendung kann man ebenfalls verschieden definieren. Ich kann sagen jeder Euro mit den o.g. Rabattprogrammen ist im Verhältnis zur eingesetzten Zeit unnütz und gleichzeitig Stunden mit Konsolenspielen oder Streaming von Serien verbringen.

    Natürlich bezahlt man dennoch einen Preis, es werden Unmengen an Daten des persönlichen Einkaufsverhaltens ausgewertet. Das muss man bei allen Rabattprogrammen akzepieren. There is no free Lunch, im Großen wie im Kleinen.
    Ganz aktuell: Robinhooder (Kunden der US Trading Plattform Robin Hood) reiben sich gerade die Augen, da spätestens jetzt publik wird, dass Robin Hood Daten über Kauf-/Verkaufs Orders an den Hedgefonds Citadel verkauft hat und dies 40% des Umsatzes von Robin Hood ausmacht. Es hat nun zu Mindestens einen Beigeschmack, wenn Robin Hood den Handel von Aktien aussetzt, in welchen Hedgefonds short engagiert sind.

    Mein Leben ist trotz des Plädoyer nicht nur Rabatten unterworfen. Ich kaufe wenn möglich regional ein, hier kommt es nicht auf den letzten Euro an und es ist nicht alles Teil eines Rabattprogramms. Rabattprogramme per se als Zeitverschwendung und Nutzer als bemitleidenswerte Kreaturen abzutun, wird den Programmen und Nutzer*innen m.E. jedoch auch nicht gerecht.

    1. Hi,
      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Natürlich darf jeder selbst entscheiden, …
      a) ob er mit Rabattprogrammen und Angeboten Geld sparen kann und
      b) ob es sich für ihn finanziell (oder welchen Gründen auch immer) lohnt.
      Bei Payback & Co. müsste man das Thema “persönliche Daten” zusätzlich bewerten. Wie viel ist es einem wert, dass Unternehmen nahezu alle Einkaufsaktivitäten erfassen, auswerten und nutzen können. Aber das hattest du ja auch bereits umschrieben.

      Mitarbeiterangebote bekomme ich auch über diese üblichen Konzernanbieter. Gefunden habe ich dort leider noch nichts Brauchbares. Entweder die Rabatte gelten für (aus meiner Sicht) teure Autos, Kleidung etc. oder aber die Rabatte sind niedriger als anderswo. Das sehe ich häufig bei Hotels, Ferienparks etc.

      Was ich mit dem Beitrag, der an der einen der anderen Stelle natürlich etwas “reißerisch” daherkommen mag, sagen möchte: Man sollte seinen zeitlichen Aufwand immer hinterfragen und überlegen, ob es das einem Wert ist. Das gleiche gilt für ausschweifende Streaming- oder Fifa-Abende. Aber auch diese würde ich grundsätzlich nicht schlecht machen.

      Was ich allerdings auf diversen Finanzseiten und Instagram beobachte ist der scheinbare Drang zum exzessiven Sparen.
      Oder um es mit Roberto Blanco zu sagen: Ein bisschen Spaß muss sein!

      VG
      Felix

  4. Wunderbar. Ich sehe das genau so. Mit 30 Jahren fühlte sich das Leben an, als dauere es ewig. Mit knapp 60 Jahren sehe ich: Das Leben rast vorbei. Was hätte ich alles an Leben und Erleben verpasst, hätte ich mich auf Gutscheine fixiert oder auf „Teufel komm raus“ sparen oder auf noch mehr Konto-Hopping. Geldgewinne können auch schnell wieder verschinden (Corona lässt grüßen…), schöne Erinnerungen nicht. Die wunderbaren Abende auf dem Balkon, Gespräche mit Freunden, Picknick in der Natur, usw. – Sowas bleibt sozusagen als Vermögen auf meinem Erinnerungskonto. Gut dass ich diese Zeit nicht auch noch mit dem Recherchieren der der neuesten Zinssätze verbracht habe.

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