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Eurasia Groups Top Risiken 2026

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1998 gründete Ian Bremmer die Eurasia Group – ein Unternehmen, dass sich darauf spezialisiert, Investoren und Unternehmensentscheidern zu zeigen, wie politische Entwicklungen Risiken und Chancen auf internationalen Märkten beeinflussen. Mit seinem Konzept, politische Wissenschaft für die Investment-Community und Unternehmensentscheidungen nutzbar zu machen, begründete Bremmer eine völlig neue Branche und machte die Eurasia Group zum weltweit führenden Anbieter für politische Risikoanalyse und Beratung. Top Risiken 2026

Die geopolitische Lage wird immer komplexer, und Risiken treten in immer schnellerem Tempo auf, während sich die globale Ordnung grundlegend verändert. Für Unternehmensentscheider und Investoren ist es heute wichtiger denn je, politische Risiken in ihre Strategien einzubeziehen – um Chancen frühzeitig zu erkennen, Risiken zu steuern und ihre Organisationen sicher durch unsichere Zeiten zu führen.

Eurasia Groups Top Risiken 2026

Top Risks ist die jährliche Prognose der Eurasia Group zu den politischen Risiken, die im Laufe des Jahres mit größter Wahrscheinlichkeit eintreten werden. Der diesjährige Bericht wurde am 5. Januar 2026 veröffentlicht.

Risiko 1: Politische Revolution in den USA

Die USA befinden sich in einer politischen Revolution: Präsident Donald Trump versucht systematisch, Kontrollmechanismen seiner Macht zu untergraben, die Verwaltungsapparate zu kontrollieren und gegen politische Gegner einzusetzen. Was zunächst taktisches Normbrechen war, hat sich zu einer grundlegenden Transformation des politischen Systems entwickelt – weit über übliches Machtstreben oder exekutive Übergriffe hinaus. Die traditionellen Checks and Balances zeigen zunehmend Risse, sodass unklar ist, wie das amerikanische politische System nach dieser Revolution aussehen wird.

Trump sieht die größte Bedrohung für sich und seine Anhänger innerhalb der USA, nicht von außen, und betrachtet sein Vorgehen als Restauration der Demokratie und notwendige Säuberung eines korrupten politischen Establishments. Bei der Wahl 2024 stimmten über 77 Millionen Amerikaner für Trump, viele davon nicht aus Liebe zu demokratischen Werten, sondern weil sie das System als kaputt ansahen und jemanden wollten, der es radikal verändert. „Trumpismus“ ist strukturell: Seine Anhänger bekommen genau das, was sie verlangt haben.

Risiko 2: Übermächtig

Die Schlüsseltechnologien der 21. Jahrhundert-Wirtschaft – E-Autos, Drohnen, Robotik, fortgeschrittene Fertigung, Smart Grids, Batteriespeicher und KI – beruhen alle auf einem gemeinsamen Fundament, dem sogenannten „electric stack“ (Batterien, Motoren, Leistungselektronik, eingebettete Rechner). Wer den Stack beherrscht, kann nahezu alles bauen, was die moderne Wirtschaft benötigt; wer ihn nicht beherrscht, ist gezwungen, die Zukunft von anderen zu kaufen.

China hat diese Basistechnologie gemeistert, während die USA sie zunehmend abgeben. 2026 wird dieser Unterschied unübersehbar werden. Top Risiken 2026

Risiko 3: Die Donroe Doctrine

Die Regierung von Präsident Donald Trump interpretiert die Monroe-Doktrin neu, um die US-Vormacht in der westlichen Hemisphäre durchzusetzen. Während die ursprüngliche Doktrin fremde Mächte vom Eingreifen in Amerika abhalten sollte, erweitert Trumps Ansatz das Ziel: China, Russland und Iran einschränken und zugleich amerikanische Primatsstellung aktiv sichern – durch militärischen Druck, wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen, gezielte Allianzen und persönliche Racheaktionen. 2026 steigt dadurch das Risiko von Übergriffen und unbeabsichtigten Folgen.

Bereits 2025 zeigte sich das Muster: Angriffe auf mutmaßliche Drogenboote, Drohungen militärischer Aktionen in Kolumbien und Mexiko, Sanktionen gegen kolumbianische und brasilianische Führungspersonen, Druck auf Panama wegen des Kanals, Sanktionen gegen Nicaragua und Kuba, verbesserte Beziehungen zu El Salvador im Austausch für Abschiebekooperation, ein 20-Milliarden-Dollar-Rettungspaket für Argentinien zur Unterstützung des Präsidenten Javier Milei und eine Begnadigung eines ehemaligen honduranischen Präsidenten wegen Drogenhandels.

Top Risiken 2026

Risiko 4: Europa unter Belagerung

Das politische Zentrum Europas ist über ein Jahrzehnt hinweg geschwächt worden. Frankreich, Deutschland und das Vereinigte Königreich starten 2026 mit schwachen, unbeliebten Regierungen, unter Druck von populistischer Rechter, populistischer Linker sowie einer amerikanischen Administration und staatlich nahestehenden sozialen Medien, die offen auf ihren Zusammenbruch hoffen. Zwar stehen keine planmäßigen Wahlen an, doch drohen Blockaden, Instabilität oder sogar der Sturz eines Regierungschefs.

Die Folgen wären nicht auf die jeweiligen Länder beschränkt: Europas Fähigkeit, wirtschaftliche Probleme zu lösen, das Sicherheitsvakuum durch den US-Rückzug zu füllen und die Unterstützung der Ukraine aufrechtzuerhalten, würde erheblich leiden.

Risiko 5: Russlands zweite Front Top Risiken 2026

Die gefährlichste Front in Europa 2026 verlagert sich von den Schützengräben in Donezk zu einem hybriden Krieg zwischen Russland und der NATO.

Der Krieg in der Ukraine wird voraussichtlich weitergehen, begleitet von gelegentlicher Diplomatie unter Donald Trump, ohne kurzfristige Durchbrüche. Russland wird versuchen, territoriale Gewinne auszubauen und weiter Zivilzentren zu treffen, während die Ukraine tiefer in Russland zurückschlägt. Gleichzeitig verschlechtert sich die Lage der Ukraine, und der Druck der USA nimmt zu, wodurch Risiken für beide Seiten steigen: entweder eine geschwächte Ukraine, die kapitulieren muss, oder eine verzweifelte Ukraine, die größere Risiken eingeht und eine weitere russische Eskalation provoziert.

Der größte Gefahrenschwerpunkt liegt jedoch jenseits des Schlachtfelds: Russland wird grauzonenartige Operationen gegen NATO-Mitglieder eskalieren, etwa Infrastruktur-Sabotage, Luftraumverletzungen oder Wahlmanipulationen. Nach Jahren der Zurückhaltung wird die NATO erstmals aktiv Gegenmaßnahmen ergreifen, was die Wahrscheinlichkeit häufigerer und gefährlicherer Konfrontationen in Europa erhöht.

Risiko 6: Staatskapitalismus mit amerikanischen Merkmalen

Unter Präsident Donald Trump hat sich in den USA die wirtschaftliche Intervention des Staates weiter verschärft – sie ist inzwischen die stärkste seit der New-Deal-Ära. 2026 wird diese Politik weiter ausgebaut und die Beziehungen zwischen öffentlichem und privatem Sektor grundlegend verändern. Trump verfolgt eine persönliche, transaktionale Form des Staatskapitalismus: Unternehmen, die seine Agenda unterstützen, erhalten Vorteile bei Fusionen, regulatorischen Genehmigungen, Zollbefreiungen und Geschäften, während abweichende Firmen zunehmend benachteiligt werden.

Im Gegensatz zu früheren Ansätzen, wie unter Biden, wo nur strategische Sektoren gezielt gefördert wurden, gibt es bei Trump keine Begrenzung – Nähe zum Präsidenten wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Die Unternehmen haben sich rasch angepasst: Lobbyismus ist wirtschaftlich rational, Widerstand dagegen teuer, wodurch sich das System selbst verstärkt.

Risiko 7: Chinas Deflationsfalle

China steuert 2026 auf eine sich weiter verschärfende Deflationsspirale zu, ohne dass die Regierung dagegen aktiv eingreift. Im Vorfeld des 21. Parteitags 2027 setzt Xi Jinping den Schwerpunkt auf politische Kontrolle und technologische Führerschaft, statt auf Konsumanreize oder Strukturreformen, die den Abwärtstrend stoppen könnten. Zwar verfügt Peking über die Mittel, eine Krise zu verhindern, doch der Lebensstandard wird sinken, die negativen Effekte werden global spürbar, und die chinesische Wirtschaft bleibt in einer selbstverschuldeten Falle gefangen.

Die Immobilienpreise fallen seit über viereinhalb Jahren, was zu einer massiven Vermögensvernichtung geführt hat. Konsum, Investitionen und Binnennachfrage sind eingebrochen. Staatlich gesteuerte Investitionen in die Hightech-Industrie haben Überkapazitäten geschaffen, die die schwache Nachfrage nicht aufnehmen kann.

Das Ergebnis ist eine wirtschaftliche „Involution“: Zu viele Firmen konkurrieren um zu wenig Nachfrage, senken Preise, Margen brechen ein, Löhne und Jobs werden gekürzt, die Konsumnachfrage schwächt sich weiter, und der Zyklus wiederholt sich. Schulden werden immer schwerer tragbar, während Banken und lokale Regierungen viele Zombie-Unternehmen künstlich am Leben erhalten. Die Deflations- und Schuldenspirale verstärkt sich selbst.

Zudem verschärften US-Zölle die Lage, da chinesische Firmen entweder Preise senken müssen, um neue Märkte zu finden, oder Umwege über Drittstaaten gehen – beides drückt die Margen weiter. Über ein Viertel der börsennotierten chinesischen Unternehmen ist unprofitabel, der höchste Anteil seit 25 Jahren.

Risiko 8: KI frisst ihre Nutzer

2026 droht zu einem kritischen Jahr für Künstliche Intelligenz zu werden. Unter starkem Umsatzdruck und mit unzureichenden regulatorischen Leitplanken könnten führende KI-Unternehmen Geschäftsmodelle verfolgen, die – ähnlich wie bei sozialen Medien, jedoch schneller und in größerem Maßstab – soziale und politische Stabilität gefährden.

Gleichzeitig bleibt das revolutionäre Potenzial von KI unbestritten: Moderne Modelle lösen komplexe Probleme, unterstützen Softwareentwicklung, Forschung und Wissensarbeit und beschleunigen Innovation in Bereichen wie Biotechnologie und Materialwissenschaften. Hunderte Millionen Menschen nutzen KI bereits täglich, und die Technologie steht erst am Anfang ihrer Entwicklung.

Kurzfristig kann KI jedoch die überhöhten Erwartungen der Investoren nicht erfüllen. Trotz enormer Investitionen sind Modelle weiterhin fehleranfällig, in ihren Fähigkeiten unzuverlässig und schwer in risikokritischen Anwendungen einsetzbar. Die wirtschaftliche Nutzung ist bislang begrenzt – nur etwa 10 % der US-Unternehmen setzen KI produktiv ein, und messbare Gewinne bleiben oft aus. Produktivitätszuwächse kommen erst mit breiter Verbreitung, doch die Märkte haben bereits eine schnelle Revolution eingepreist, nicht einen langsamen Übergang.


Laut Eurasia Group ist 2026 ein entscheidendes Jahr geopolitischer Weichenstellungen. Die Unsicherheit liegt nicht in einem direkten Konflikt zwischen den größten Mächten – USA und China – noch droht (noch) ein zweiter Kalter Krieg. Auch die Spannungen zwischen USA und Russland gefährden trotz des Kriegs in Europa aktuell nicht das globale Gleichgewicht.

Stattdessen löst die USA ihre eigene globale Ordnung auf, während das Land gleichzeitig eine politische Revolution durchläuft, die die internationale Stabilität stärker beeinflusst als äußere Konflikte. Top Risiken 2026

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