„Ich rate jedem, eine vernünftige Balance zwischen Sparen und Ausgeben zu finden.“ (Interview Christian I ETF4Good)

Der folgende Beitrag erschien erstmals in der 13. Ausgabe des Finanzblogroll Magazins (November 2021) 
ETF4Good

1. Wer? Stell dich bitte kurz der Finanzblog-Community vor!

ETF4Good

Quelle I Urheber: Christian, etf4good.de

Hi, ich bin Christian von ETF4Good. Auf meinem Blog schreibe ich über ETFs und nachhaltiges Investieren. In meinem echten Leben bin ich Chemiker und arbeite im Healthcare-Bereich. Als Laborleiter bin ich für die Produktion von Standards für die Reinheitsprüfung von Medikamenten verantwortlich.

Warum nebenbei ein Finanzblog? Viele behaupten, zu ETFs sei schon alles gesagt. Das sehe ich anders. Gerade im Bereich nachhaltige ETFs ist das Angebot noch ziemlich dünn. Einige meiner wichtigsten Erkenntnisse musste ich mir mühsam zusammensammeln, weil es nirgendwo gut erklärt war.

Deshalb war von Anfang an klar, ich möchte meinen Blog so schreiben, wie ich es mir selbst für den Einstieg gewünscht hätte.


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2. Warum? Wie bist du zu den Themen Sparen/Aktien/ETFs gekommen?

Meine ersten Gehversuche an der Börse machte ich in der Zivildienstzeit. Mit meinem ersten selbst verdienten Geld ging ich zur Citibank und kaufte einen Fonds. Das war wenige Monate vor der Dotcom-Blase und ich fiel direkt auf die Nase. Ich hatte genug Ahnung, um meine Anteile zu halten. Aber den Mumm nachzukaufen hatte ich nicht. Später im Studium brauchte ich das Geld und es dauerte Jahre, bis ich mich wieder an den Kapitalmarkt wagte.

Seitdem bin ich ausschließlich mit ETFs unterwegs. Ich glaube an die passive Strategie, die Gerd Kommer so populär gemacht hat. Ich habe noch nie eine einzelne Aktie besessen.

Meine Kapitalanlage dient primär der Altersvorsorge. Außerdem hat ein vernünftiges Geldpolster einen positiven mentalen Effekt. Man fühlt sich einfach anders, wenn man weiß, dass ein temporärer Wegfall des Gehaltes nicht gleich zur Katastrophe werden würde.

In jungen Jahren finanziell frei zu werden, ist für mich kein Ziel. Das erfordert zu extreme Bedingungen, wenn man es realistisch durchrechnet. Ich rate jedem, eine vernünftige Balance zwischen Sparen und Ausgeben zu finden.

Verzichtet man auf die kleinen Freuden des Alltags, nur um 1-2 Euro mehr für die Börse zu sparen, werden Kurseinbrüche zur echten Herausforderung.

3. Wie? Wie hoch ist deine Sparquote und wie lautet deine Anlagestrategie?

Nach einigen Umwegen ist mein Sparplan heute wieder so simpel wie am Anfang. Ich bespare einen Industrie- und einen Schwellenländer-ETF im Verhältnis 70 zu 30. Das ist zum Teil auch meiner nachhaltigen Ausrichtung geschuldet.

Vor einigen Jahren wurde mir bewusst, dass in meinen ETFs eine Menge Firmen enthalten sind, mit deren Geschäftsmodell ich absolut nicht einverstanden bin. Nach längerer Recherche wagte ich den Umstieg auf nachhaltige ETFs und habe es bisher nicht bereut. Das ist auch der Grund, warum ich keinen Small-Cap-ETF und keinen Immobilien-ETF mehr bespare. Es gibt einfach keine nachhaltigen Varianten, die mir zusagen.

Aktuell liegt meine Sparquote zwischen 40% und 50%. Vor Beginn der Pandemie war sie ca. 10% niedriger. Einen kleinen Teil davon investiere ich neben ETFs auch in Kryptowährungen. Der „Spieltrieb“ hat also auch vor mir nicht halt gemacht. Die Umsetzung als Core-Satellite-Strategie finde ich attraktiv. Der solide ETF-Kern ergänzt durch riskante Mini-Satelliten verhindert, dass ich mich beim Risiko übernehme, nur weil mir mein 70:30-Portfolio zu langweilig geworden ist.

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2 Gedanken zu „„Ich rate jedem, eine vernünftige Balance zwischen Sparen und Ausgeben zu finden.“ (Interview Christian I ETF4Good)“

    1. Hallo Domi,

      eine berechtigte Frage, über die man sicherlich lange diskutieren könnte. Ich versuche mich kurz zu fassen und beschränke mich auf den Hauptstreitpunkt, nämlich den Energieverbrauch von Bitcoin. Da gibt es viele Ausreden, dass die Energie ja nur gespeichert wird oder sie nachhaltig produziert wird oder dort, wo die Energie sonst nicht nutzbar wäre, usw, usw. Das meiste (nicht alles) halte ich für Quatsch. Es werden große Mengen Energie im wahrsten Sinne des Wortes verschwendet, das ist ein Kernkonzept von Bitcoin. Einzig über diese Energieverschwendung (aufgebrachte Arbeit) kann seine überlegende Sicherheit garantiert werden. Und diese Sicherheit ist zwingend erforderlich, wenn er seine Aufgabe erfüllen soll. Kurzes Zwischenfazit also, ohne Energieverschwendung, kein Bitcoin.

      Die eigentliche Frage, die man sich meiner Meinung nach stellen muss, ist, ob einem der Nutzen von Bitcoin diese Energie wert ist. Das muss man sich bei allem anderen auch fragen. Beim Bau eines Hauses, dem Heizen oder der Produktion von Nahrungsmitteln ist der Fall klar. Wenn ich in den Urlaub fliege, ist die Frage aber durchaus berechtigt. Zwei Wochen später bin ich wieder zu Hause. Was habe ich gewonnen? War es die Energie wert?

      Bitcoin ist ein zensurresistenter Wertspeicher und mit entsprechenden Layer 2 Erweiterungen auch ein Zahlungsmittel. Das mag uns in Deutschland irrelevant vorkommen, ist aber für einen großen Anteil der Weltbevölkerung extrem interessant, wertvoll und potentiell lebensverändernd. Wie sorgst du für dein Alter vor, wenn es in deinem Land keine Altersvorsorge gibt? Wenn du nicht mal ein Konto eröffnen kannst, deine schwache Drittlandswährung kontinuierlich inflationiert wird und es überall Korruption gibt? Es gibt noch viele andere Szenarien, in denen Bitcoin einen echten Nutzen bringen könnte.

      (Kleiner Zwischenkommentar: Bitcoin ist ein zukünftiger(!) Wertspeicher. In der aktuellen Entwicklungs-/Findungsphase natürlich noch volatil. Davon sollte man sich aber nicht täuschen lassen)

      Die Visionen, was Bitcoin ist und sein könnte, gehen natürlich auseinander. Aber ich glaube, dass Bitcoin ein sehr wertvolles Gut, bzw. Konzept ist und eine nützliche Funktion erfüllen kann, die seine Energie wert ist. Unser Finanzsystem erfüllt ja auch einen Zweck und dessen Energieverbrauch stellen wir entsprechend nicht infrage.

      Wenn jemand Bitcoin und seine Eigenschaften hingegen für sinnlos für die Welt hält, dann ist der logische Schluss, dass er viel zu viel Energie verbraucht, absolut nachvollziehbar. Da wären mir Argumente, wie viel Prozent nachhaltige Energien dafür eingesetzt werden, auch egal. Aber ich sehe eben einen relevanten Nutzen. Das ist für mich der springende Punkt.

      Ich hoffe, das beantwortet deine Frage. Viele Grüße, Christian

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