Welcome to real life – Was tun, wenn das Einkommen sinkt?

Im Frühjahr 2020 wurde unser Leben gleich zwei Mal auf den Kopf gestellt. Zuerst durch einen Virus, der aus China kommend zunächst das italienische Gesundheitssystem überrollte. Und wenig später hatte er auch erheblich Auswirkungen auf unser Leben. („Corona“ – ist bekannt, oder?!…). Zum Glück – und Dank unserer Vorsicht -, haben wir uns bis zum heutigen Tag nicht angesteckt. Alle bisherigen Tests zeigten nur einen roten Strich. Einkommen sinkt

Anders beim Schwangerschaftstest im April 2020.

Unser „Corona-Baby“ war nicht geplant.
Aber gewünscht!


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Zeit ist Geld – beides fehlt Einkommen sinkt

Wie heißt es so schön: Das dritte Kind läuft einfach so mit. Arschlecken! Der Kleine hat unser Leben nochmal so richtig auf den Kopf gestellt. Waren die Nachwuchs-Planungen doch eigentlich abgeschlossen, Babymöbel verkauft oder verschenkt und die meiste Kleidung ebenfalls. Zu den schlaflosen Nächten gesellten sich stressige Homeoffice-Tage und eine viel intensivere Kinderbetreuung aufgrund von Kita-Schließungen und Homeschooling.

Auf diesem Blog geht es aber in erster Linie nicht um Schulpolitik oder Pädagogik (Gott bewahre!), sondern um das Thema Finanzen. Und genau darüber bin ich in der aktuellen Jahresbudget-Planung gestolpert. Die gehört bei mir zum Jahreswechsel so wie Dinner for One, die Vierschanzen-Tournee und das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker.

Kind Nummer Drei sorgt nämlich im Jahr 2022 für ganz schöne Verschiebungen in unseren Finanzen. Dabei geht es in erster Linie nicht um steigende Ausgaben. Klar – Windeln, sonstige Anschaffungen und das beim dritten Kind unweigerlich erforderliche größere Auto (meine Kinder sprechen von einem „Bus“) sorgen für zusätzliche Ausgaben. Aber insgesamt hält es sich in Grenzen. Also, die Ausgaben. Und das Auto.

Ein mittelgroßes Finanzloch reißen vor allem die sinkenden Einnahmen. Im ersten Lebensjahr von „Prinz Triple“ war es noch das Elterngeld, welches rund zwei Drittel des vorherigen Gehaltes sicherte. Das fällt nun komplett weg.

Ab Sommer soll der kleine Süßkeks in den Kindergarten gehen. Wenn er einen Platz bekommt. Ansonsten versuchen wir eine Tagesmutter zu finden. Meine Frau wird allerdings erst ab 2023 wieder in die bezahlte Arbeit einsteigen. Und das auf jeden Fall in Teilzeit.


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Work hard, Dream big! Einkommen sinkt

Das Narrativ der meisten Finanzblogger und Influencer lautet: Steigere deine Einnahmen, dann klappt‘s auch mit Sparquoten jenseits der 30 Prozent. Harte Gehaltsverhandlungen, Jobwechsel, Nebentätigkeiten. „Work hard, Dream big“ – du Opfer.

In der Realität sieht es für die meisten Menschen anders aus. Das Leben ist ja kein Highway, der wie eine gezogene Linie verläuft. Es gibt viele Kurven, sowie Bergeteppen und schlammiges Gelände. Diese Abschnitte heißen Kinderbetreuung, Pflege von Familienangehörigen, Kündigung, Kurzarbeit, Arbeitsunfähigkeit, Burnout, Krankheit, Unfall … und so weiter. Aber darüber schweigt man gerne.

Wo die Begierde erlischt, da ist der Arme reich,
doch wo sie herrscht, da ist der Fürst dem Sklaven gleich.

(Gottfried Benn)

Ich wünsche mir, dass mehr Menschen über sinkende Einnahmen schreiben. Über die Kurven des Lebens (ziemlich philosophisch, oder?!). Und wie sie trotzdem versuchen, ein gutes Leben zu führen, während sie gleichzeitig fürs Alter vorsorgen. Man muss ja nicht direkt abharzen und rumoxidieren. Der Mittelweg macht es.

Wir überlegen gerade, wie und wo wir Ausgaben kürzen können. Vielleicht beim Urlaub oder dem Schrebergarten. Ein bisschen hier, ein bisschen dort. Konkreter wird es in den nächsten Tagen werden. Vielleicht können wir bestimmte, einfache Lebensroutinen, die durch die Corona-Pandemie entstanden sind, fortführen. In jedem Fall haben wir die Wahl. Wir haben es in der Hand.

Wollt ihr darüber konkret etwas wissen? Oder wie macht ihr das? Schreibt mir gerne einen Kommentar. Dann weiß ich auch, dass noch jemand mitliest. 🙂

Eine Wahl, die ich in keinem Fall treffen möchte, ist der Verfall in eine „Knappheits-Denkweise“. Wir müssen uns nicht grämen, dass wir weniger Geld verdienen. Wir haben immer noch ein gutes Einkommen und können ein gutes Leben führen. Ich bekomme ein gutes Gehalt und habe flexible Arbeitszeiten. Hinzu kommt etwas Kindergeld. Da ich weiterhin komplett im Homeoffice bin, entfällt der Arbeitsweg. Dadurch habe ich mehr Zeit für die Familie.


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Akzeptiere, was ist! Einkommen sinkt

Die Zahlen auf dem Bankkonto und dem Depot sind wichtig. Sie informieren uns darüber, was wir kaufen und wie viel wir sparen. Aber es gibt Zeiten, in denen man ihnen nicht zu viel Bedeutung geben sollte. Es werden wieder andere Etappen kommen. Spätestens dann, wenn (alle) unsere Kinder unabhängiger werden sind und lieber alleine abhängen wollen. Möglicherweise können wir dann unser Einkommen wieder steigern. Vielleicht kommt es aber auch anders und wir fahren in eine neue Kurve des Lebens. Wer weiß das schon?! Aktuell bleibt uns nichts Anderes übrig, als unsere Gehaltskürzung zu akzeptieren.

Ich hoffe, dass auch ihr Gehaltskürzungen ertragen und akzeptieren könnt. Sei es durch die Erziehung eurer Kinder oder sonstiger Gründe. Sparen und Investieren sind wichtig. Aber nicht das Wichtigste im Leben.

Oh je, jetzt ist der Beitrag schon wieder so schnulzig geworden. War keine Absicht. Ich gelobe Besserung!

Namasté


P.S. Hier noch ein sehenswertes Video, das mir persönlich sehr gut gefällt. Auch, wenn man den Typen mögen muss…


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14 Gedanken zu „Welcome to real life – Was tun, wenn das Einkommen sinkt?“

  1. Wozu spart (und investiert) man denn, wenn nicht die Flexibilität, sich solche „Gehaltskürzungen“ überhaupt leisten zu können?
    Ich habe 2019 den Job gewechselt und dadurch in dem Jahr weniger verdient als 2018. Ein sinkendes Einkommen muss aber doch nichts schlechtes sein! Ich hatte dafür andere Vorteile. 2020 habe ich wieder den Job gewechselt und da dort die Gehaltsstruktur wieder anders war (weniger Fixgehalt pro Monat, mehr Bonus), hatte ich 2020 schon wieder weniger Gehalt auf dem Konto als im Vorjahr. Na und?
    2021 ging es dann auch noch nicht wieder nach oben, da der Bonus aus 2020 nur zeitanteilig gezahlt wurde. 2022 wird jetzt auf der Einkommensseite endlich mal wieder ein Plus ergeben, da sich alles „eingeschwungen“ hat. Du bist also definitiv nicht allein mit der Einkommensreduktion, auch wenn da vielleicht wenig drüber gesprochen/geschrieben wird. Und bei dir ist der Grund ja auch sehr schön und verständlich 🙂
    Viele Grüße
    Jenni

  2. Hey Felix

    Wird mir 2022 auch so gehen. Seit dieser Woche neue Stelle und weniger Gehalt. Geld ist nicht alles in einem Angestelltenjob.

    Für mich war das toxische Umfeld und Grossraumbüro beim letzten Arbeitgeber nicht erfüllend. Zudem muss ich vertraglich nun 3,5h weniger pro Woche arbeiten und besitze einen kürzeren Arbeitsweg.

    Wahrscheinlich wird auch beim neuen Arbeitgeber nicht alles perfekt sein, aber für mich fühlte sich ein Wechsel richtig an. Da nehme ich ein kleineres Gehalt in Kauf.

    Liebe Grüsse
    Schweizer-Minimalist

    1. Hallo „SM“,

      ein Jobwechsel tut meistens gut. Habe das auch Ende des letzten Jahres gemacht. Allerdings letztendlich intern im Unternehmen. Man bekommt auf jeden Fall neuen Input, neue Perspektiven und kann eben diese auch in der neuen Stelle einbringen. Später kann sich das durchaus monetär auszahlen. Auch, wenn man temporär das gleiche (oder weniger) Gehalt bekommt.

      Viel Spaß & Erfolg beim neuen Job!

      LG Felix

  3. Meine größte Absicherung gegenüber fallenden Einnahmen ist, die Fixkosten niedrig zu halten, auch wenn man sich mehr leisten könnte. So viel Wohnung zu haben, wie man benötigt, aber nicht in einer riesigen Villa zu leben. Den Rest gebe ich dann für Dinge aus, die ich von einem Monat auf den nächsten einstellen könnte.

    Bei sinkenden Einnahmen sinken dann die Ausgaben für „den kleinen Luxus zwischendurch“, wie Essengehen, Kurz-Urlaube oder neue Klamotten.

    Ich bin gespannt wie du den Einkommens-Einbruch angehst.

    1. Hi,

      bei uns sind es tatsächlich eher die variablen Kosten, welche die Ente hinten fett machen (sagt man das so?…). Bei den fixen Kosten (Miete, Versicherungen, Auto etc.) ist kurzfristig nicht viel zu machen. Ich denke schon, dass es Meckern auf „mittelhohem“ Niveau ist. Immerhin gehören wir auch zu diesen „Multi-Streaming-Haushalten“ mit Netflix, Amazon und DAZN. Auf die GEZ könnte ich verzichten :).

      Was mich etwas stört, sind die relativen hohen Ausgaben für Verkehr, also Kfz. Das hat aber verschiedene Gründe und sollte sich langfristig deutlich entspannen.

      LG Felix

  4. Hallo Felix,

    ich denke es kommt drauf an, was unterm Strich steht. Und zwar nicht nur finanziell. Manche Dinge sind mit Geld nicht aufzuwiegen.
    Auch ich habe einen Jobwechsel hinter mir. Verdiene nun einiges weniger. Dafür bin ich zeitlich flexibler. Gerade für die Zukunft wichtig, aber auch aktuell bringt dies Entspannung. Zu tun gibt es trotzdem genug. Weniger Schmerzensgeld für einen Job mit weniger „Schmerzen“, ggf. sogar teilweiser Erfüllung. Was will man mehr. Dafür habe ich nun mehr Famiienzeit und beruflich ein paar Chancen bzw. Unterstützungen, die mir langfristig dienen könnnten, welche ich beim alten Arbeitgeber (trotz auch positiver Seiten) nicht gehabt hätte. Da reduziere ich gerne die Sparqoute.

    Das Optimum gibt es nie. Zum alten AG konnte ich laufen oder Bus fahren. Für den neuen brauche ich zwingend mehr den PKW wenn ich für 14 km nicht 2-3h pro Tag nur an Wegezeit aufwenden will. Mit Kinderbetreuungszeiten bleibt da rein zeitlich (Schließzeiten KiGa) sogar teils nur der PKW übrig um selbige einhalten zu können. Der ÖPNV wäre mir lieber (stressfreier und umweltbewusster), aber man kann halt nicht alles haben. Wer weiß was sich die nächsten Monate und Jahre ergibt, was noch keiner von uns auf dem Schirm hat. Im kleinen wie im großen. Dann schaut man neu und passt ggf. an.

    Ich kann Dagoberts Nichte im obigen Kommentar recht geben. Das vorhegie Sparen/Investieren/Rücklagen ermöglicht uns diese Freiheiten oder auch nur die Entspannun. Selbst wenn man die Rücklagen nicht braucht sorgen diese für Seelenfrieden. Und wenn es nur psychologisch ist, weil sie bei Bedarf Einkommenseinbußen puffern könnnte. Und ja, diese Einbußen hatte ich auch durch den Wechsel. Man sollte nicht zu verbissen sein bei einzelnen Punkten, dann ist die Sparquote etwas weniger. So what.

    Immerhin sind wir hier in der glücklichen Position sparen zu können. Das ist nicht allen vergönnt. Und was bringt es in 20 Jahren xxxx EUR mehr zu haben, aber dafür Abends nie beim Geschichte vorlesen und Einschlafen der kleinen dabei gewesen zu sein. etc. etc. Selbst wenn ich in 15 Jahren Ziele hätte welche auch familiär sind und ich dafür Geld bräuchte, das ich ansparen müsste. Wer weiß ob das in 15 Jahren auch klappt oder möglich ist. Deshalb einen Mittelweg zwischen jetzt und später. Kein Fokus auf nur eine zeitliche und finanzielle Seite.

    Ich persönlich tendiere in den letzten Monaten bspw. eher dazu, die nun seit Jahren so weit wie möglich „automatisierten“ Finanzen damit zu ergänzen unnötige Komplexität und Stress im restlichen Leben weiterhin zu erkennen und nach Möglichkeit zu reduzieren. Das nützt meinem Umfeld und mir – sogar wechselseitig.

    Danke für deine Blogbeiträge – welche wie nur wenige – auch eine andere Betrachtung anschlagen und zeigen, das nicht alles eine (scheinbare) heile Influencer-Instagram-Welt mit perfekten Rahmenbedingungen ist, sondern Real-Life.

    Viele Grüße und einen guten Start ins neue Jahr.

    1. Hallo Kurt,

      vielen Dank für deinen tollen Kommentar, den ich in allen Punkten teile.
      Interessant finde ich vor allem die „Automatisierung“ deiner Finanzen. Ich habe mehr und mehr das Gefühl, dass der Trend – vor allem beim Investieren – in die andere Richtung geht. Da wird hier ein bisschen gedreht, dort optimiert und täglich das Depot getrackt. Ich hoffe, dass die deutsche Aktienkultur insgesamt etwas „erwachsener“ wird. Nun ja, das kann und muss aber letztendlich jeder selbst entscheiden. Dazu werde ich aber in den kommenden Tagen und Wochen nochmal ausführlicher schreiben. Und wahrscheinlich auch einigen auf die Füße treten. 🙂

      LG Felix

  5. Solche Durststrecken muss man einfach hinnehmen und akzeptieren. Das Leben besteht nicht nur aus der Optimierung der Sparquote, das wäre ja auch sehr traurig. Gut, dass es keine Bereiche mehr gibt in denen noch große Einsparungen möglich sind (ansonsten hättest Du ja in den Jahren zuvor unnötig geprasst).
    Vielleicht hat man ja Glück und es läuft doch besser, als es nach der Finanzplanung zu erwarten ist.
    Das Studium des Nachwuchses wird in einigen Jahren bestimmt auch noch einmal interessant.
    Dafür hast Du zu Weihnachten aber die Bude voll. Der Neobroker kommt Dich nicht besuchen, auch wenn Du ein randvolles Depot hast.
    LG H

    1. „Dafür hast Du zu Weihnachten aber die Bude voll. Der Neobroker kommt Dich nicht besuchen, auch wenn Du ein randvolles Depot hast.“
      Großartig! Ganz bestimmt ist es das, worauf es im Leben ankommt.

      LG Felix

  6. Es ist schön zu lesen, dass es hier noch menschelt. Das wird mir übrigens bei Finanzliteratur auch immer wichtiger. Wenn mein Gegenüber unverwundbar scheint, schmeckt selbst der beste Rat fad.

    Gerade das Humankapital wird ja immer wieder beschworen. Aber es nährt sich ja von eben jener Kraft des Humanoiden. Wo volle Power in den Beruf geht, da ist der Akku leer wenn es mal nicht rund läuft. Und das passiert eben häufiger als der geneigte Finanzblogleser denkt.

    Corona hat mir eine saftige depressive Episode beschert. Kleinkinder kosten zusätzlich Energie. Hätte ich in dieser Zeit noch Pfauentanz und Selbstdarstellung im Beruf betreiben müssen, ich habe keine Idee zu was ich fähig gewesen wäre.

    Der brüllende Dragster im Depot ist eben mancherorts nur eine Bimmelbahn. Dafür kann man dort recht leicht wieder einsteigen wenn man mal fällt, mir gefällts.

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