Wie viel Geld sollte man monatlich sparen?

Wie viel Geld sollte man monatlich sparen? 100 Euro oder 500 Euro? 10 Prozent oder 50 Prozent des Nettoeinkommens? Gibt es überhaupt die eine richtige Antwort auf diese Frage?

Und: Wie sinnvoll ist es, auf die Sparquoten der anderen zu schauen und sich damit zu vergleichen?

Kaum eine Frage wird innerhalb der Finanzcommunity so oft (und teilweise ungefragt) beantwortet wie die nach der eigenen Sparquote. Und dabei ist es gleichzeitig eine der überflüssigsten.

Wie viel sollte man sparen? Die Antwort lautet: So viel wie möglich.

Aber ernsthaft. Ebenso wichtig wie die Frage nach der Sparquote, ist die Überlegung, wie das gesparte Geld möglichst rentabel investiert werden kann.

Die Frau nach dem Warum?

Der wichtigste Auslöser für eine hohe Sparquote und die Suche nach dem Anlageprodukt ist ein inspirierender Zweck.

Inspirierender Zweck? Klingt nach bewusstseinserweiternden Hilfsmitteln und Business Life Coaching.

Keine Sorge, es geht lediglich um die Frage nach Warum. Wie stellst du dir dein Leben im Ruhestand oder Vorruhestand vor? Möchtest du viele reisen oder möglichst viel Zeit mit deinen Kindern verbringen? Vielleicht möchtest du dich freiwillig und sozial engagieren? Oder an einem persönlichen Leidenschaftsprojekt arbeiten?

Die Antwort auf die Frage nach dem Warum definiert, wie schnell du finanziell unabhängig werden möchtest.

Und ob das überhaupt ein notwendiges Ziel für dich persönlich ist.

Wie viel spart der durchschnittliche Deutsche jeden Monat?

In den letzten zwanzig Jahren schwankte die Sparquote der Deutschen recht konstant um den Wert von zehn Prozent. Das heißt, dass Privatpersonen durchschnittlich zehn von 100 Euro auf die Seite legten.

Für das Corona-Jahr 2020 deuten erste Studien auf eine durchschnittliche Sparquote von 17 bis 18 Prozent hin. Ein absoluter Rekordwert. Aber langfristig sicherlich nicht repräsentativ.

„Sparen bedeutet, genügend Geld zu haben, wenn es nichts mehr zu kaufen gibt.“
Ansgar Simon

Bleiben wir also bei den langfristig realistischen zehn Prozent.

Was bedeutet eine Sparquote von zehn Prozent? Es bedeutet, dass du ungefähr ein ganzes Jahr sparen musst, um das Einkommen eines Monats zu erzielen. Nicht so schlecht. Aber für die finanzielle Unabhängigkeit sicherlich zu wenig.

Mit einer sichereren Entsparrate von vier Prozent, benötigt man das 25-fache seiner jährlichen Ausgaben. Bei einer Realrendite (also einer inflationsbereinigten Rendite) von fünf Prozent, kommt man bei einer Sparquote von zehn Prozent auf einen Ansparzeitraum von 47 Jahren.

Ein ganz schön langer Weg.

Sparen nach der Regel 50/30/20 Regel

Viele Experten und selbsternannte Finanzgurus beschreiben die ideale Einkommensverteilung als Verhältnis 50/30/20. Diese Regel besagt, dass 50 Prozent des Nettoeinkommens für Fixkosten (Miete, Strom, Lebensmittel), 30 Prozent für Vergnügen/Freizeit (Urlaub, Kleidung, Essen gehen etc.) und 20 Prozent gespart und investiert werden sollten.

Häufig werden im „20 Prozent-Topf“ auch Ausgaben für größere Ansparungen wie beispielweise Autos eingeplant. Aus meiner Sicht, sollten hier nur wirklich langfristig investierbare Geldsummen gezählt werden. Denn es geht mir ja um den langfristig verfügbaren Einkommensanteil.

Grundsätzlich gefällt mir die 50/30/20 Regel aber gut. Zumindest für Normal- und Gutverdiener erscheint sie auch realistisch.

Bei einem gleichen Rechenbeispiel wie oben, kommt man bei einer Sparquote von 20 Prozent auf einen Ansparzeitraum von 33 Jahren. Klingt schon etwas besser.

Wenn Du hingegen 80 Prozent des Einkommens sparen kannst, ist die finanzielle Unabhängigkeit nur noch 6 Jahre entfernt.

Was theoretisch so einfach klingt, ist für die meisten Menschen natürlich unmöglich. Und das ist auch völlig in Ordnung. Dann wäre es wirklich so einfach, würde das System auch nicht funktionieren.

Ein möglicher und nicht ganz sooo unrealistischer Kompromiss, wäre eine Sparquote von 50 Prozent. Damit wäre die finanzielle Unabhängigkeit 17 Jahre entfernt. Wie viel Geld sollte man monatlich sparen

Wie man bis zu 50 Prozent des Einkommens sparen kann

Das monatliche Sparen von 50 Prozent des Haushaltseinkommens ist vor allem für Paare möglich, die es auf zwei Vollzeitgehälter bringen. So können die meisten Fixkosten geteilt werden.

Eine andere Möglichkeit einen größeren Prozentsatz deines Einkommens zu sparen, besteht darin, vom Gehalt des letzten Jahres zu leben. Sozusagen der Lifestyle-Inflation entgegenzuwirken. Die oft üblich drei bis fünf Prozent Gehaltserhöhung kann dann zusätzlich in den Spartopf wandern.

Eine oft beschriebene Variante zur Erhöhung der Sparquote ist der „Ein-Prozent-Trick“. Dabei startet man bei einer monatlichen Sparquote von 1 Prozent und erhöht dieses dann monatlich um jeweils einen weiteren Prozentpunkt. Das Vorgehen wird wiederholt, bis es wirklich weh tut.

Ich persönlich halte dieses Vorgehen persönlich für nicht praktikabel, da die monatlichen Ausgaben schwanken. Daher müsste man schon mit bestimmten Geldtöpfen für Urlaube, Geschenke etc. arbeiten.

Der Vorteil des „Ein-Prozent-Tricks“ ist, dass du zunächst keine drastischen Änderungen an deinem Lebensstil vornehmen musst. Du bleibt etwas Zeit, dich anzupassen. Wie viel Geld sollte man monatlich sparen

Ein letzter und effektiver Tipp ist es, das verfügbare Einkommen auch visuell zu minimieren. „Pay-Yourself-First“ heißt das auf neudeutsch. Funktioniert, indem du am Anfang des Monats zunächst deine gewünschte Sparsumme vom Konto auf dein Sparkonto bzw. dein Depot überweist. Das restliche Geld muss bis zum Monatsende reichen.

Entscheidend ist, was du willst

Der letzte und wichtigste Tipp ist ein persönlicher. Lass dich nicht von den Sparquoten der anderen verrückt machen. Es gibt haufenweise Finanzblogger, die Sparquoten von fünfzig Prozent aufwärts aufweisen.

Das ist eine tolle Leistung. Aber nicht repräsentativ!

Und schon gar kein Gradmesser für deinen finanziellen Erfolg. Wie viel Geld sollte man monatlich sparen

Ich selbst erreiche eine Sparquote zwischen 15 und 20 Prozent. Das Ziel sind kontinuierlichd 20 Prozent. Damit wäre ich sehr zufrieden.

Ich verdiene sehr gut. Allerdings haben wir mittlerweile auch drei Kinder. Für Akademiker mit entsprechend längerer Ausbildungszeit, haben wir das erste Kind recht früh bekommen. Wir waren beide 27 Jahre alt. Zudem haben wir die ersten Jahre teilweise mit, teilweise ohne Elterngeld ausgereizt und genossen. Es macht finanziell einen riesigen Unterschied, ob das Kind bereits im Alter von einem Jahr in den Kindergarten geht oder eben erst mit knapp drei Jahren.

Aber das muss jeder für sich entscheiden.

Die Jahre mit sehr hohen Sparquoten kommen bei uns vielleicht nach der Kindererziehung. Vielleicht nutzen wir unsere Zeit dann auch anders. Wer weiß.

Die finanzielle Freiheit mit 40 oder 50 Jahren werden wir nicht erreichen. Mein Ziel ist zunächst die finanzielle Absicherung. Das bedeutet, dass wir einen ausreichenden Notgroschen und zudem ein Vermögen haben, das mindestens ein Jahr unserer Ausgaben deckt.

Damit kann ich gut schlafen. Wenn da die Kinder nicht wären. Aber das ist eine andere Geschichte. 🙂

Letztendlich musst du die Entscheidung treffen, mit welcher Sparquote du dich wohl fühlst. Wichtig ist es, dass jeder die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten kennt und selbst eine Entscheidung treffen kann.

Deswegen gibt es Finanzblogs wie diesen. 🙂

Und … wie hoch ist deine Sparquote?

Felix

8 Gedanken zu „Wie viel Geld sollte man monatlich sparen?“

  1. Hi Felix,

    danke für den tollen Beitrag. Und natürlich für den Finanzblogroll im Allgemeinen.

    Mich persönlich spricht das voll an, da Du m.W. einer der wenigen Finanzblogger bist der a) eine Familie hat, b) nicht schon (enorm) große Mengen an Vermögenswerten (woher auch immer) hat & c) ein normales Einkommen hat.
    Da kann ich mich identifizieren und hab das Gefühl einen Wegbegleiter gefunden zu haben 😉

    Grüße
    Patrick

    1. Hi Patrick,

      Schön dass du Gefallen an meiner armen Großfamilie findest 😉
      Aber ich verstehe was du meinst. Es macht eben einen Unterschied, ob man bereits Kinder hat oder nicht. Finanziell, aber auch mental.

      Auf uns bekinderte Privatanleger!

      Felix

  2. Hi Felix,

    ich finde deinen Artikel ebenfalls klasse. Meiner Meinung nach steht und fällt der finanzielle Erfolg mit der Sparquote. Zumindest als Angestellter. Um eine hohe Quote zu erreichen, habe ich deshalb zwei Jobs. Manchmal natürlich sehr anstrengend. Vielen Dank auch von mir für deine Blogroll. ich finde sie echt klasse.

    Weiter viel Erfolg und alles Gute für dich und deine Family.

    Viele Grüße
    Chris

    1. Hi Chris,

      Darf ich fragen was das für Jobs sind? Hat der Arbeitgeber deines “Hauptjobs” irgendwelche Probleme damit?
      Hast du schon Kinder?

      Aus meiner Sicht muss man seine Prioritäten halt abwägen. Ich halte nichts davon zwanzig Jahre Vollgas zu geben (also 80 Std.-Wochen und mehr).
      Dafür kenne ich vielleicht zu viele, bei denen die Gesundheit einen Strich durch diese Rechnung gemacht hat.

      Aber wie gesagt, das kann und soll das jeder selbst entscheiden 🙂

      VG
      Felix

      1. Hi Felix,

        ja klar. IT in einer Bank ist das erste. Und ich habe seit einigen Jahren mit einem Kumpel noch eine Headhunting Bude für IT Kräfte. Ich war bisher bei 3 verschiedenen AG bei denen ich meine Bude schon hatte und bis auf ein Formular ging es immer klar. Kinder hab ich noch nicht nein. Wir sind ein DINK-Haushalt. Das macht vieles günstiger.
        Also bei mir geht es auch nicht nur ums hustlen. Das mag ich ebenfalls nicht. 🙂
        Mit der Gesundheit hast du völlig recht. Der Mensch benötigt ja genügend Ruhepausen und sich wieder voll konzentrieren zu können. Auch das permanente Sitzen ist Gift.

        Verstehe dich sehr gut 🙂

        Viele Grüße
        Chris

  3. Hi Felix, mit der Frage nach dem Warum triffst du wirklich einen guten Punkt!
    Ich glaube vielen Menschen fehlt die Motivation dies wirklich für sich zu beantworten, um sich dann auch besser mit dem Thema Geldanlage zu beschäftigen. (außer den FIRE Spezialisten natürlich)
    Zum Thema Sparen und private Altersvorsorge habe ich auf meiner Seite einen Zinseszinsrechner eingebunden, der hoffentlich etwas motiviert die Geldanlage selbst in die Hand zu nehmen, wenn man sieht wie sich eine gute Rendite auswirken kann🙂
    Am wichtigsten ist es überhaupt früh mit Sparen anzufangen, auch wenn es erstmal nur 25 € sind…

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