Geld anlegen ist wie Fahrradfahren

Fahrrad fahren liegt voll im Trend und wird immer beliebter. Nicht zuletzt durch und während Corona. Acht von zehn Deutschen fahren regelmäßig Rad. Jeder Zweite nutzt das Fahrrad im Alltag zum Einkaufen oder um zur Arbeit zu fahren. Und 97% aller Deutschen können Radfahren. Geld anlegen

Meine beiden großen Kinder gehören bereits auch dazu. Während der Lernphase sind wir Eltern wochenlang hinterher gelaufen, haben festgehalten und aufgefangen. Haben ermutigt und erklärt. Haben ihnen Pausen gegönnt und sie doch wieder motiviert.

Beim Fahrrad fahren geht es darum, durch Bewegung die Balance zu halten. Balance ohne Bewegung geht nicht. Es geht auch darum, nach vorne zu schauen. Und um das Vorwärtskommen aus eigener Kraft (zumindest, wenn man kein eBike benutzt).

Die Technik eines Fahrrades ist bereits für Kinder verständlich und nachvollziehbar. Räder, Lenker, Sattel, Pedalen, Kette – mehr braucht es nicht. Die Klingel darf natürlich nicht fehlen. Hier stehen derzeit Capt’n Sharky und die Eiskönigin hoch im Kurs. Je nach Belieben…

Den Kindern wird auch schnell klar, dass sie auf Anstiegen stärker strampeln müssen und sich bei Gefälle durch die Schwerkraft treiben lassen können.

Geld anlegen ist wie Radfahren lernen

Geld anlegen ist wie Radfahren lernen. Du brauchst jemanden, der dich anstupst oder anschiebt. Wenn du bereits vorher im Kindersitz mitgefahren bist, hast du bereits ein Gefühl für die Balance und Vertrauen gewonnen.

Beim Radfahren in einer Gruppe gibt es zwei goldene Regeln: (1) der Langsamste fährt voraus und (2) die Gruppe bleibt zusammen. An Bergen, Ampeln und Bahnübergängen wird gewartet. Geld anlegen

Bei der langfristigen Geldanlage in gut diversifizierte Produkte ist es ähnlich. Ein börsengehandelter Indexfond (ETF) zum Beispiel, beinhaltet eine Vielzahl von einzelnen Aktien. Er ist die Gruppe. Ein ETF wird langsamer voran kommen als so manche Einzelaktie. Er wird aber definitiv auch stärker sein als einige Einzelaktien. Vor allem aber bringt er Sicherheit. Und die Möglichkeit, im Windschatten mitzufahren.

Ob du als Sieger ins Ziel kommst, bleibt ungewiss. Aber du kommst ans Ziel.

Das Geld verpufft Geld anlegen

Ein Auto wird dich schneller voran bringen. Dafür ist es auch deutlich teurer. Sowohl Anschaffungskosten, als auch laufende Kosten sind deutlich höher als beim Fahrrad. Bei der Geldanlage heißen diese Ausgaben Transaktionskosten und Verwaltungsgebühren oder Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio).

Sie fressen deinen Gewinn auf.

Die Kosten pro Kilometer liegen beim Fahrrad bei ungefähr 10 Cent, beim Auto bei circa 38 Cent. Mit einem Fahrrad kommst du also günstiger ans Ziel. Aber es kostet dich natürlich auch etwas Mühe.

Auch die Reparatur eines Fahrrades ist nicht schwer. Du kannst es dir selber beibringen. Okay, das geht zwar auch mit einem Auto. Aber das Wichtigste bei jedem Fortbewegungsmittel ist doch der Antrieb. Kannst du einen Motor reparieren, Zündkerzen oder einen Zahnriemen wechseln? Gerade bei den neuen Autos ist selbst ein Zahnriemenwechsel ohne den Ausbau des halben Motors kaum möglich. Eine Fahrradkette kann jeder wechseln, dem das einmal kurz erklärt wurde. Bei praktisch jedem beliebigen Rad.

Wenn du Indexfonds und deren Vorteile verstanden hast, kannst du heutzutage ganz leicht selber investieren. Du brauchst weder eine lange Ausbildung, noch einen Berater. Du brauchst auch keinen teuren Broker. Du kannst es selbst in die Hand nehmen. Du brauchst dich auch nicht zwingend mit unterschiedlichen Modellen beschäftigen.

Der Startschuss – ab geht’s

Wenn du mit der langfristigen Geldanlage beginnst, wirst du eine gewisse Trägheit spüren. Warum solltest du auf den Sattel steigen und die Reise beginnen? Du musst einige Energie aufwenden, um in Bewegung zu kommen. Vielleicht helfen dir Vorbilder. Die größte Motivation für meine Tochter beim Radfahren war es, andere Kinder zu sehen, die bereits ohne Stützräder gefahren sind. Auch wenn sie das nicht direkt ausgesprochen hat. Aber DAS wollte sie auch können. Dieser Ehrgeiz steckt in jedem von uns. Geld anlegen

Unterwegs – erste Hürden

Der Start ist geglückt und du bist also unterwegs. Die ersten Meter kommst du gut voran. Aber schnell stellt sich Ernüchterung ein. Ist ja doch ganz schön mühsam, oder? Und jetzt kommt auch noch unwegsames Gelände. Oder gar ein steiler Anstieg. Zuerst kämpfst du mit deinen Gedanken, dann mit deinem Körper.

Und manchmal wird es ganz schön eng…

Du fragst dich, ob du absteigen und umkehren solltest.

Jedoch nur wenn du weiter fährst, wirst du die nächste Abfahrt erleben. Das Gefühl des Vorwärtskommens ohne viel Kraft aufzuwenden. Bei der langfristigen Geldanlage heißt es Bullenmarkt, wenn Wertpapierkurse über einen mittleren bis längeren Zeitraum nachhaltig ansteigen. Du weißt nicht, wann diese Zeiträume kommen.
Aber sie werden kommen.

Trotzdem wird es immer bei einem “Auf und Ab” bleiben. Geld anlegen

Was also tun, wenn die Zeiten schwer und der Anstieg hart ist? Wenn du kaum Kraft hast, deinen Weg weiter zu verfolgen? Wenn das Geld ein paar Monate nicht reicht, um zusätzlich zu sparen oder langfristig zu investieren?

Abseits der Strecke

Du kannst einfach mal absteigen. Dir eine Auszeit gönnen und neue Kraft tanken. Du kannst auch deinen Weg ändern. Denn du entscheidest, wie steinig und steil der Weg sein soll. Du wirst dich stärker mit dem Weg und deinem Ziel identifizieren, wenn du beides selbst definiert hast.

Das Wichtigste ist aber dran zu bleiben. Vielleicht auch ein bisschen zu kämpfen.

Du solltest aber auch nicht nur auf dein Ziel schauen. Schau mal nach links oder rechts. Da gibt es noch viel zu sehen mehr außer ausschüttende, replizierende oder swappende Indexfonds. Da sind die Natur, die Familie und gemeinsame Erlebnisse.

Da ist das Leben, während du strampelst.

Sie haben ihr Zeil erreicht

Und während du das alles mit nimmst auf deinem Weg, merkst du auf einmal, dass die nächste Abfahrt begonnen hat. Auf einmal rollst du ganz von alleine. Deine Investitionen werfen Zinsen und Dividenden ab. Du hast ein monatliches, passives Einkommen generiert. Du erkennst, dass sich die Mühen gelohnt haben und gewinnst neue Kraft.

Ab und zu wirst du auch einen wundervollen Ausblick genießen können. Vom Berg, denn du erklommen hast. Oder auf den Berg deiner Ersparnisse. Nicht weil du jetzt “reich” bist. Sondern, weil sie dir ein Gefühl von Sicherheit und Stolz geben.

Diese Kraft wird dir beim nächsten Anstieg sehr hilfreich sein. Und du wirst sie brauchen.

Mentales Doping zum Abschluss

Falls du noch nicht ins Rollen gekommen bist, dann schwingt dich auf den Drahtesel und investiere in Goldesel. Aber denke immer daran, dass nicht alles Gold ist, was glänzt 🙂

5 Gedanken zu „Geld anlegen ist wie Fahrradfahren“

  1. Interessant. Angeregt durch deine Kostenangabe 10ct/km beim Fahrrad hab ich meine Kosten am Pendelrad ausgerechnet. Kam mir viel vor. Es geht auch günstiger (logisch 😉 )

    Kaufpreis 600€
    Ersatzteile in 4 Jahren: Hinteres Laufrad mit neuer Nexus8 Nabe.
    Im Groben:
    Alle 10Tkm neue Mäntel
    Alle 5Tkm neue Kette.
    Summe Ersatzteile ca. 500€
    Kilometer gesamt (gemessen mit Strava) 30Tkm

    (600€+500€)/30000km=3,7ct/km

    Grüße Domi
    PS: Radfahren rulez!

    1. Spannende Rechnung! Das zeigt mal wieder, dass (auch nicht-elektronisches) Radfahren nicht kostenlos, aber definitiv günstiger ist als das Auto.
      Weiterhin gute Fahrt!

  2. Ein wirklich gelungenes „Bild“: Fahrradfahren und ETF-investieren! Gratuliere Dir zu diesem Einfall.
    Und noch ein Aspekt: Je jünger man ist, desto leichter und selbstverständlicher lernt man das Radfahrern/investieren in ETFˋs. Das Radfahren im Alter stärkt Kondition und Koordination; mit dem (selbst)Investieren im Alter behältst Du Deine Handlungsfähigkeit uns trainierst Deinen Geist.

  3. Die Kosten für das Fahrrad kommen natürlich total auf das Equipment an.
    Ich habe für meine Räder in 2020 etwa 4400€ an Ersatzteilen Tuningteilen etc. Aufgewendet.
    Bei 15.000km p.A.ist das gleich teuer wie ein PKW.
    Unbeachtet sind die Anschaffungskosten von jeweils 6000-8000€ pro Rad.
    Dann noch Trainingslager und Startgelder für Wettkämpfe.

    Ich glaube Porsche fahren wäre das billigere Hobby gewesen.
    Aber für ein Sportwagen ist mein Pe*is einfach nicht kurz genug😂

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