Indien ist nicht mehr nur das “nächste große Ding” – es ist jetzt da. Während China mit strukturellen Problemen kämpft, hat Indien Ende Januar 2026 einen historischen Meilenstein erreicht: den Verhandlungsabschluss eines umfassenden Freihandelsabkommens (FTA) mit der Europäischen Union. EU Indien Handelsabkommen
Für uns Anleger öffnet sich damit eine Tür zu einem Markt von 1,45 Milliarden Menschen, der durch den Wegfall massiver Zollschranken plötzlich viel greifbarer wird.
Das Abkommen: Was hat sich geändert?
Bisher war der Handel mit Indien oft ein bürokratischer Hürdenlauf mit Zöllen von teils über 100 %. Das neue Abkommen ändert die Spielregeln:
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Zollsenkungen: Indien wird Zölle auf über 96 % der EU-Warenexporte schrittweise abschaffen.
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Sektoren-Boost: Besonders die Bereiche Maschinenbau, Pharma, Chemie und Automobil profitieren.
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Investitionsschutz: Das Abkommen bringt Rechtssicherheit für europäische Firmen, was den Kapitalfluss nach Indien massiv beschleunigen dürfte.
Deep Dive: Die Profiteure des EU-Indien-Abkommens
Das Handelsabkommen (FTA) hat die Zollmauern eingerissen. Während der indische Gesamtmarkt (Nifty 50) mit einem erwarteten Gewinnwachstum von ca. 17,5 % glänzt, stechen diese Player besonders hervor.
1. Reliance Industries (RIL) – Der diversifizierte Gigant
Reliance ist das Schwergewicht im indischen Index. Durch das FTA profitiert vor allem die Textil- und Chemie-Sparte (O2C) von zollfreien Exporten in die EU. Gleichzeitig befeuert die Digital-Sparte Jio das Binnenwachstum.
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Umsatz (geschätzt 2025/26): ca. ₹10,8 Billionen (ca. 120 Mrd. €)
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Umsatzwachstum: +10,5 % (YoY)
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Gewinn (Netto): ca. ₹745 Milliarden (ca. 8,3 Mrd. €)
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Bewertung: ⭐⭐⭐⭐ (4/5)
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Fazit: Ein Basis-Investment. Die Margen im Energiebereich schwankten zuletzt etwas, aber die Dominanz in Indien und der Export-Boost machen RIL zum Anker im Depot.
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2. Infosys – Der Profiteur der Digitalisierung
Als zweitgrößter IT-Dienstleister Indiens profitiert Infosys massiv von der “Mobilität von Fachkräften”, die im FTA verankert wurde. Die EU ist nach den USA der wichtigste Markt für Infosys.
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Umsatz (geschätzt 2025/26): ca. ₹1,8 Billionen (ca. 20 Mrd. €)
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Umsatzwachstum: +8,9 % (YoY)
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Gewinn (Netto): ca. ₹270 Milliarden (ca. 3 Mrd. €)
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Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐ (5/5)
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Fazit: Dank starker Partnerschaften mit europäischen Konzernen (wie Siemens) und dem Fokus auf Enterprise-KI ist Infosys derzeit der “Top-Pick” im IT-Sektor.
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3. Sun Pharmaceutical – Die Apotheke für Europa
Indien ist weltweit führend bei Generika. Das Abkommen vereinfacht die Zulassungsprozesse in der EU, was Sun Pharma direkten Zugang zu einem 17-Billionen-Euro-Markt verschafft.
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Umsatz (geschätzt 2025/26): ca. ₹568 Milliarden (ca. 6,3 Mrd. €)
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Umsatzwachstum: +9,5 %
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Gewinn (Netto): ca. ₹109 Milliarden (ca. 1,2 Mrd. €)
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Bewertung: ⭐⭐⭐⭐ (4/5)
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Fazit: Exzellente Margen (über 30 % EBITDA) und ein wachsendes Portfolio an Spezialmedikamenten. Ein defensiverer Wert mit solidem Wachstum.
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4. Siemens Ltd. (Indien) – Der Infrastruktur-Meister
Siemens Ltd. ist die indische Tochter des deutschen Konzerns und profitiert doppelt: von der massiven lokalen Nachfrage nach Fabrikautomatisierung (“Make in India”) und dem Technologietransfer aus Europa.
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Umsatz (Q3 2026 rollierend): ca. ₹220 Milliarden (nur Indien-Geschäft)
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Umsatzwachstum: +12,4 %
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Gewinn (Netto): ca. ₹24 Milliarden
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Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐ (5/5)
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Fazit: Ein “Pure Play” auf Indiens industrielle Modernisierung. Die Aktie hat seit der FTA-Ankündigung deutlich zugelegt, bleibt aber aufgrund des Auftragsbestands (ca. 10 Mrd. €) hochspannend. EU Indien Handelsabkommen
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Vergleich auf einen Blick
| Unternehmen | Umsatzwachstum | Netto-Marge | Strategischer Vorteil durch FTA | Sterne |
| Infosys | 8,9 % | ~15 % | Erleichterte Visumregeln & KI-Deals | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Siemens India | 12,4 % | ~11 % | Infrastruktur-Boom & Zollfreiheit | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Reliance | 10,5 % | ~7 % | Export von Textilien/Chemie | ⭐⭐⭐⭐ |
| Sun Pharma | 9,5 % | ~19 % | Marktzugang für Generika | ⭐⭐⭐⭐ |

Der strategische Unterbau: Welcher ETF passt zu dir?
Einzelaktien wie Siemens India oder Infosys sind die “Gewürze” in deinem Depot, aber das Fundament sollte ein breit gestreuter ETF bilden. Da der indische Markt regulatorisch komplex ist (Stichwort: Quellensteuer), ist die Wahl des richtigen Vehikels entscheidend.
Hier sind die drei besten Optionen, die 2026 für europäische Anleger im Fokus stehen:
1. Der Preis-Leistungs-Sieger: Franklin FTSE India UCITS ETF
Wenn du die Kostenquote (TER) so gering wie möglich halten willst, ist dieser ETF unschlagbar. Er bildet den FTSE India 30/18 Capped Index ab, der über 200 Unternehmen enthält und damit breiter gestreut ist als der klassische MSCI India.
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TER: 0,19 % p.a.
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Replikation: Physisch (Optimiertes Sampling)
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Besonderheit: Durch das “Capping” wird verhindert, dass Schwergewichte wie Reliance Industries ein zu extremes Übergewicht im Index einnehmen.
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Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐ (Perfekt für Sparplan-Anleger)
2. Der Klassiker: iShares MSCI India UCITS ETF
Das “Schwergewicht” unter den Indien-ETFs. Er ist extrem liquide und bildet den MSCI India Index ab, der die 130+ größten Firmen des Landes umfasst.
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TER: 0,65 % p.a.
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Replikation: Physisch
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Besonderheit: Die höhere TER im Vergleich zu Franklin wird oft durch eine sehr geringe Tracking Difference (Abweichung zum Index) und die hohe Liquidität für große Volumina wettgemacht.
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Bewertung: ⭐⭐⭐⭐ (Der Standard für institutionelle und sicherheitsorientierte Anleger)
3. Die Alternative für Steueroptimierer: UBS MSCI India SF UCITS ETF
Ein synthetischer (Swap-basierter) ETF. Während viele Anleger physische ETFs bevorzugen, haben Swaps in Indien oft einen steuerlichen Vorteil bei der Behandlung der indischen Kapitalertragsteuer, was die Performance nach Kosten heben kann.
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TER: 0,15 % p.a.
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Replikation: Synthetisch (Swap)
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Besonderheit: Aktuell der günstigste Indien-ETF am Markt.
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Bewertung: ⭐⭐⭐⭐ (Für erfahrene Anleger, die kein Problem mit dem Kontrahentenrisiko von Swaps haben)
ETF-Vergleichstabelle (Stand Februar 2026)
| Merkmal | Franklin FTSE India | iShares MSCI India | UBS MSCI India SF |
| Kosten (TER) | 0,19 % | 0,65 % | 0,15 % |
| Anzahl Werte | ~230 | ~130 | ~130 |
| Physisch? | Ja | Ja | Nein (Swap) |
| Fokus | All-Cap (Breit) | Large & Mid Cap | Large & Mid Cap |
Mein Fazit für dein Portfolio 2026
Das neue EU-Indien-Abkommen ist der Startschuss für eine neue Ära. Wer passiv investieren will, greift zum Franklin FTSE India, um von der Breite des Marktes zu minimalen Kosten zu profitieren.
Wer hingegen gezielt auf die “Gewinner des Abkommens” setzen möchte, mischt dem Portfolio eine Satelliten-Position aus den oben analysierten Einzelwerten bei – allen voran Siemens India für den Infrastruktur-Boom oder Infosys für die digitale Handelsbrücke. EU Indien Handelsabkommen











