„The Four Tendencies“ von Gretchen Rubin – oder: Wie Rechenschaftspflicht gegenüber anderen Dir auf dem Weg zur Finanziellen Freiheit helfen kann

Vor einigen Wochen bin ich über das Buch The Four Tendencies* von Gretchen Rubin gestolpert. Erstens, da ich auf der Suche nach einer passenden Buchempfehlung für das Finanzblogroll Magazin war. Zweitens, weil Gretchen einfach ein cooler Name ist. Und Drittens, aufgrund des Untertitels. Der lautet nämlich: „The Indispensable Personality Profiles That Reveal How to Make Your Life Better (and Other People’s Lives Better, Too)”. Klingt griffig, oder?! The Four Tendencies

Nicht wirklich. Aber inhaltlich fühlt sich da vermutlich jeder angesprochen. Ich auch. Also habe ich mir das Buch für meinen Kindle gekauft.

Wer ist Gretchen Rubin?

The Four Tendencies

(C) Gretchen Rubin I gretchenrubin.com

Gretchen Rubin wohnt in New York City und ist eine der einflussreichsten Autorinnen im Bereich Glücksforschung. Sozusagen die US-amerikanische Ausgabe von Eckhard von Hirschhausen (1:0 für die USA).

Rubin studierte in Yale Jura und arbeitete danach als (angeblich) erfolgreiche Rechtsanwältin. Sie schreibt regelmäßig Beiträge für Zeitungskolumnen und Radiosendungen. Ihre größten Erfolge sind aber ihre Ratgeber-Bücher, die weltweit mehr als 3,5 Millionen Mal in mehr als dreißig Sprachen verkauft wurden. Hier ist in erster Linie „The Happiness Project* zu nennen, welches mittlerweile in der zehnten Auflage (und auch in deutscher Sprache) erschienen ist.

Der Untertitel lautet hier: „Or, Why I Spent a Year Trying to Sing in the Morning, Clean My Closets, Fight Right, Read Aristotle, and Generally Have More Fun

Merke: Ein langer Untertitel schafft Bestseller.

Ob das mit diesem Beitrag auch klappt?

Wie jeder einigermaßen wichtige Mensch, hat Rubin natürlich auch einen eigenen Podcast (Grüße an Matthias von getmad 🙂 ). In „Happier with Gretchen Rubin“ erforscht sie Glück und gute Gewohnheiten.


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„The Four Tendencies” – Worum geht’s jetzt?

Wie der Buchtitel schon andeutet, geht es in „The Four Tendencies“ darum, wie wir auf äußere und innere Erwartungen reagieren.

Äußere Erwartungen sind Erwartungen, die andere an uns stellen. Beispielsweise die Hoffnung unserer Eltern, dass wir „was Vernünftiges“ lernen oder die Hoffnung unserer Kinder, dass das Essen pünktlich auf dem Tisch steht. Oder deine Erwartung, dass dich dieser Text ein bisschen unterhält oder informiert oder bestenfalls beides.

Innere Erwartungen sind Erwartungen – wer hätte es gedacht – die wir an uns selber stellen. Wir wollen mehr Sport machen, zehn Kilo abnehmen, eine neue Fremdsprache lernen. Wenn du jetzt denkst „also alles, was nicht klappt“, weiß ich schon in welche Gruppe du gehörst 🙂 (die gleiche wie ich).

Gretchen Rubin unterteilt die Menschen in vier Gruppen (beziehungsweise Tendenzen):

  1. „Upholder“ (Erhalter, Wahrer)
    Reagieren gut auf äußere und innere Erwartungen.
  2. „Rebel“ (Rebellen)
    Widerstehen allen äußeren oder inneren Erwartungen
  3. „Questioner“ (Fragende, Zweifler)
    Hinterfragen alle Erwartungen und reagieren nur positiv, wenn diese den inneren Erwartungen entsprechen.
  4. „Obliger“ (Verpflichtete)
    Reagieren gut auf äußere Erwartungen, kämpfen aber mit inneren Erwartungen.
The Four Tendencies

(C) Urheber: Gretchen Rubin I 
quiz.gretchenrubin.com


Anhand eines Quiz‘ kann man anhand von acht Fragen ermitteln, in welche Gruppe man selbst gehört.

Mein Ergebnis: The Four Tendencies

Mein Ergebnis beim The Four Tendencies Quiz

Oha! Damit gehöre ich zu der Gruppe, in welche die meisten Menschen fallen. Laut Rubins Recherchen sind es 41 Prozent. Danach kommen die „Questioner“ mit 24 Prozent und dann die „Upholder“ mit 19 Prozent. Die kleinste Gruppe bilden die „Rebellen“ mit 17 Prozent. Das dieser Wert ungefähr dem Wahlergebnis der letzten Bundestagswahl von AfD plus DIE LINKE entspricht ist wohl reiner Zufall…

Bin ich wirklich ein „Verpflichteter“

Yoa, ich denke das passt. Ich weiß zum Beispiel, wie wichtig Bewegung ist. Aber ich kann einfach nicht alleine Sport treiben. Ich verliere schnell die Motivation und gebe auf. Ich weiß auch, wie ungesund Zucker ist – kann aber selten widerstehen.

Wer das Prinzip der Tendenzen nicht kennt (und versteht), könnte sagen ich wäre schwach. Wäre unfähig mich selbst zu motivieren und an Pläne zu halten.

Andersherum habe ich mein Abitur (knapp) und meinen Studienabschluss (sehr gut) geschafft. Vor allem im Studium konnte ich mich gut organisieren und mit detaillierten Lernplänen auf die Klausuren vorbereiten. Auch andere Ziele in meinem Leben verfolge ich konsequent.

Möglicherweise brauche ich also einfach Fristen. Und zwar nicht eigene, sondern von anderen Leute – von außen.


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Des Rubins Lösung

Wie lautet nun die Lösung von Gretchen Rubin für meinen Fall? Ganz einfach: „Verpflichtete“ müssen äußere Verantwortlichkeiten schaffen. Sie müssen anderen Menschen gegenüber rechenschaftspflichtig werden, um sich selbst gegenüber rechenschaftspflichtig zu sein.

So funktioniert Weight Watchers. Und jede AA-Gruppe.

Und sozusagen das Gegenteil von UEFA, FIFA und IOC.

Bezogen auf meine Sportfaulheit bedeutet das, möglichst gemeinsam mit anderen zu trainieren. Und somit Abhängigkeiten gegenüber anderen Personen zu schaffen. Klar, in der Gruppe trainiert es sich leichter als allein. Und niemand lässt sein Team gerne im Stich.

Was hat das mit Geldanlage zu tun?

Der Weg zur Finanziellen Freiheit (uahhh) oder zumindest zu einer guten Altersvorsorge ist lang und steinig. In der Regel dauert es Jahrzehnte, sich ein ordentliches Depot aufzubauen. Es sei denn, man bekommt das Geld von seinen Eltern in den A**** geblasen oder heiratet einen alten Sack wie Richard „Mörtel“ Lugner.

Der normale Weg lautet: Gib weniger aus als du verdienst und investiere sinnvoll. Allerdings braucht es Zeit bis der Zinseszins seine volle Wirkung entfaltet.

Am Anfang ist der Weg spannend. Viele stolpern zufällig über das FIRE-Konzept und sind sofort (Achtung Wortspiel) „Feuer und Flamme“. Sie wollen das Gelesene sofort umsetzen. Aber – wie bei jeder wilden Romanze – kann es im Laufe der Zeit auch langweilig werden. Ergebnisse stellen sich nur langsam ein. Vielleicht erwischt man auch schlechte Börsenjahre. Und stetig lässt der Mut, das Endziel zu erreichen, nach.

Das Ziel der Finanziellen Unabhängigkeit ist eine innere Erwartung. Niemand aus deinem Familien- oder Freundeskreis wird von dir erwarten, dass du von deinen finanziellen Rücklagen leben kannst. Die meisten verstehen es ja nicht einmal.

Wie bleibt man also als „Verpflichteter“ selbst auf Kurs, wenn niemand von außen Erwartungen stellt? Wenn man keinem Menschen gegenüber rechenschaftspflichtig ist?


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Das Felix‘ Lösung The Four Tendencies

Halten wir fest: Ich verfolge nicht das Konzept der Finanziellen Freiheit. Ich bin aber davon überzeugt, dass meine Generation zusätzlich fürs Rentenalter vorsorgen MUSS. Und das nicht zu knapp. Ansonsten muss ich mich doch an Richard Lugner ranmachen (Plan B).

Für mein Ziel des zusätzlichen Rentenbausteins (Plan A), investiere ich monatlich per Sparplan in den Aktienmarkt. Automatisiert, kostengünstig und stetig. Du weißt ja: ETF und so… The Four Tendencies


(C) Urheber: Instagram I instagram.com/finanzblogroll_


Aber warum mache ich das? Und wie halte ich das dreißig Jahre durch? Wenn ich doch weiß, dass ich eigentlich ein Schlendrian bin und Rechenschaftspflicht von außen brauche?

Eine Lösung, der viele aus der „Community“ folgen, sind Blogs oder Social Media Kanäle. Hier trifft man Gleichgesinnte und kann sich hervorragend austauschen.

Wer zudem selbst einen Blog schreibt, kann monatlich seinen Fortschritt dokumentieren und mit anderen teilen. Dadurch entsteht eine starke Form von Rechenschaftspflicht.

Vielleicht kennst du auch genau diesen Effekt. Wenn du Sparquoten teilst, deine neue Sparplanausführungen postest oder zumindest konkrete Aktienideen diskutierst.

Auch, wenn ich diese Dinge nur sehr sparsam mache, so hilft mir dieser Blog trotzdem beim Durchhalten. Und dabei, nicht vom Weg abzukommen.

Nun kann und möchte nicht jeder bloggen (ist auch sch*** viel Arbeit). Aber vielleicht ist du ja schon Teil einer Finanz-Community. Beim Aktienfinder oder in anderen Social Media Gruppen. Oder vielleicht sogar im „realen Leben“ (ja, soll’s geben). Zum Glück findet man mittlerweile ja immer häufiger Gesprächspartner, die beim Wort „Ausschüttung“ nicht angeekelt die Nase rümpfen und mit Anzeige aufgrund sexueller Belästigung drohen.

Rechenschaftspflicht – ich bin dabei

Wenn du – wie ich – ein „Verpflichteter“ bist, solltest du dir für deine Ziele Rechenschaftspflichten erzeugen und regelmäßig ablegen. Das kann dich dazu ermutigen, deinem Weg weiter zu folgen. Es setzt dir Fristen und Zwischenetappen.

Die Lektüre von Gretchen Rubins The Four Tendencies* hat mir persönlich geholfen, mich selbst besser zu versehen. Du brauchst das Buch aber nicht kaufen. Du kennst ja jetzt das Konzept. Es sei denn, du gehörst in eine andere Kategorie.

Ich hab‘ jetzt erstmal Hunger auf Schokolade!

Und du? In welche Kategorie fällst du? Hier geht’s nochmal zum Test.



* Transparenzhinweis: Bitte beachte, dass ich möglicherweise von Käufen profitiere, die über die oben stehenden Affiliate-Links getätigt werden. Dir entstehen keine zusätzlichen Kosten. Amen.

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5 Gedanken zu „„The Four Tendencies“ von Gretchen Rubin – oder: Wie Rechenschaftspflicht gegenüber anderen Dir auf dem Weg zur Finanziellen Freiheit helfen kann“

  1. Hallo Felix,

    ich bin ein Fragender. Interessant. Zuerst habe ich gedacht, so ein Prokrastinierer wie ich und eher auf eigene Erwartungen eingestellt? Aber eigentlich sind das ja zwei verschiedene Themen. Und bei diesen Modellen geht es ja immer um die extremen Pole. Da sind mir ausführlichere Fragebögen mit einer Prozentualen Übereinstimmung meist lieber.
    Und auf einer generellen Ebene stimme ich dem Report auf jeden Fall zu. Allerdings hat mir mein Grundwehrdienst geholfen, Erwartungen von Vergesetzten/Experten erstmal anzunehmen anstatt sie an Ort und Stelle zu diskutieren damit es voran geht.

    Das Buch ist auf jeden Fall direkt auf meine Audible Merkliste gewandert. 🙂

    1. Hi Timo,
      das ist die Frage, ob man durch den Grundwehrdienst eher zum Rebell oder zum Fragenden wird… 🙂
      Mir persönlich bringen solche Bücher und Fragestellungen mehr als viele Bücher über Finanzen und Börse.

      Sag bitte unbedingt Bescheid, wie dir das Hörbuch gefallen hat. Ich bin zwar durchaus der englischen Sprache mächtig, aber das wollte ich mir dann doch nicht antun. Es wird von Rubin selbst gesprochen , oder?!

      VG Felix

  2. Hallo Felix
    Ja spannend das Buch interessiert mich und wie TIMO bin ich auch ein Fragender 🙂
    Muss ich mich mal wieder mehr mit beschäftigen statt mit dem neusten Krypto Hypes!
    Lesen tut not…

  3. Pingback: Papalageld - Werde zum Kapitalisten!

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